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barsch horst    253

Liebes Grischa- Bern- Connection- Tagebuch

Auch in diesem Jahr wird dir die Grischa- Bern- Connection wieder ihre Schandtaten (ergo: https://haken.ch/topic/2792-grischa-bern-connection-2018/?tab=comments#comment-52286) anvertrauen. Leider sind wir bereits etwas in Verzug. Da du aber nur ein blödes elektronisches Ding mit Anschluss an das grosse Daten-Nirvana bist, dürfen wir dich ruhig etwas warten lassen. Aber sei gewarnt, wir sind jetzt älter, abgebrühter, grauhaariger und durchtriebener als auch schon. Schliesslich geht die G.- B.- C. jetzt ins fünfte Jahr. Braunbären zum Beispiel sind mit fünf Jahren ausgewachsene Exemplare mit Erfahrung in Wildnis, Jagd und Paarung.  Anlässlich unseres Jubiläums werden wir ein paar Fässchen aufmachen. So waren wir uns bereits einwedeln, haben den König der Gumpen aufgesucht und ganz nebenbei eine breite Palette an Beifang durchexerziert. Mehr dazu, wenn Horst mal wieder Zeit oder Grischafario mal wieder Lust hat. 

In enger Verbundenheit. 

Dein Horst  

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grischafario    67

Naja Horst, du alter Braunbär, Zeit wirst du ja in Bälde genügend haben. Und was meine Lust angeht, die ist schon da, aber würdest du deinem nur Tagebuch langweilige Lanschaftsbilder zumuten? Mein letzter Dril ist schon solange her, dass ich nicht einmal mehr weiss, wie man das schreibt... Aber ja, älter bin ich geworden, ich merk das jeden Morgen. Vielleicht liegts auch am EtOH des Vorabends. Aber gewappnet für die neue Saison bin ich, hab neues Material zugelegt, endlich die passenden Schnüre gefunden, und mir von der lebenden Legende HRH neue Wurftricks zeigen lassen. Bald geht die Saison im Grischaland los, oh hütet euch ihr Bünder Farios! Und gleich danach warten die Maifliegen auf der Alp.

Bütscha la ritscha!

PS. Barschhorst am Bärbeln, ohne Erfolg, aber mit Beifang zweier Spezies...

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bearbeitet von grischafario
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barsch horst    253

Liebes Tagebuch

Das Ereignis, von welchem ich dir hier berichte, liegt bereits ein paar Tage zurück. Genau genommen datiert es auf den zweiten Tag nach der heiligen Forelleneröffnung. Unser Organisationstalent, die Götter des Wassers, des Himmels und unsere Holden erlaubten uns für einen Tag ans Wasser zu treten. Noch steif waren unsere Finger beim zusammenstecken der neuen Ruten. Die Knoten wollten auch nicht alle auf Anhieb gelingen und zum Nichtgelingen vom Anhieb schreiben wir dann später noch...

Unseren Gelenken waren die Bewegungen beim Werfen der Fliege etwas fremd geworden. Wir brauchten erst mal beide einen Gumpen zum einwedeln. Jeweils einer warf und der andere kommentierte. So holten wir uns die Wärme in den Körper zurück. Bescherte uns doch der Morgen noch vor dem ersten Wurf zuerst Sonnenschein, dann Schneesturm um sich dann im Anschluss in einem regen Mix dazwischen einzupendeln.

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Geht doch: Langsam wurden wir warm und es kam Flow auf. 

Dann der erste "Biss". In einem tiefen Zug bleibt die Schnur einfach stehen. Ich denke an einen Hänger, hebe die Rute und ziehe dabei einen Fisch wie einen Mehlsack an die Oberfläche. Beide wurden wir wohl von dieser unerwarteten Begegnung überrumpelt. Die Forelle explodiert an der Oberfläche und weg ist sie. Schade und tschüss. Cousin D. aka Grischafario geht es nicht anders. Das einzig gemeine ist, dass ich seinen ungelenken Drillversuchen aus erhöhter Warte zuschauen kann. Evtl. eben doch mal ins Forellenpuff etwas drillen üben gehen. Aber die Götter strafen sofort. Für meine Kommentare ernte ich eine Stunde Botanikprobleme.

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Kurz vor Einnachten stehen wir dann vor grossen Pools und lassen darin unsere Nymphen verschwinden. Und hier kommt er, der langersehnte Ruck in der Sehne. Innerhalb von zehn Minuten darf ich aus dem selben Pool zwei hübsche Forellen drillen. Die erste begleitet mich mit nach hause, die zweite ist unterhalb meines Augenmasses und schwimmt wieder. Und wenn mein Cousin einen Fisch essen will, dann soll er ihn gefälligst selber fangen!

Horst

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barsch horst    253

Hier wäre ich wieder, liebes Tagebuch

Dass dem oben geschilderten Ausflug ein Schneidertag an demselben Gewässer folgte, will ich nicht verschweigen. Wie oft treffen wir doch in diesem Medium auf Bilder von schönen Fischen, breit grinsenden Gesichtern, erfolgreiche Menschen (warum meist Männern?), welche Fische in die Kamera halten. Wie oft stehen diese Personen aber ohne Fangerfolg am Wasser? Davon wird wenig geschrieben. Warum wohl? Also bei mir kam's in diesem Jahr schon mehrfach vor, am Bach wie am See, dass ich das Gewässer ohne Drill verlassen durfte. Der eingangs erwähnte Schneidertag wurde nicht nur durch fehlende Bisse gekrönt. Ich durfte an auch an jeder Stelle feststellen, dass bereits mindestens jemand diese Stelle bereits gefischt haben musste. Diese Feststellung derangierte mich dann wiederum in solchem Ausmasse, dass die nötige Ruhe nicht einkehren wollte um präzise zu wedeln. Entsprechend verbrachte ich dann mehr Zeit in der Botanik als gewohnt und im Endeffekt konnte nur der Detailhandel profitieren...

Zum Glück habe ich Familie. Frau und Kind wirken meist ausgleichend auf belastende emotionale Ereignisse. Ein Familienausflug nach Deutschland sollte mich auf neue Gedanken bringen. Etwas Legoland und Freunde besuchen. Wir hatten eine grossartige Zeit im grossen Kanton. Und tatsächlich ist es dem Gumpenkönig und mir dabei gelungen, uns ein paar Stunden rauszuspielen um die Forellen zu ärgern... 

Was braucht es mehr als ein schönes Gewässer...

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sympathische, ortskundige Begleitung, ein paar gute Gespräche...

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den richtigen Streamer und eine Hand voll beissfreudiger Forellen. 

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Dagegen kommen Nieselregen und kühle Temperaturen nicht an, die werden ignoriert. Ein Highlight der bisherigen (bissherigen;-) Trutensaison ( @Gumpenkoenig Auch wenn die grössten Fische maximal mittelgross waren). Anschliessend zurück zu den Familien, entspannte Frauen, zufriedene Kids, ein knisterndes Feuer im Kamin. Einfach, effektiv, das gute Leben. 

tbc

Horst aka. R.

bearbeitet von barsch horst
zu viele Bilder und Rechtschreibfehler
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Gumpenkoenig    1'044

:victory:Bei der Gelegenheit stelle ich fest dass ich dir immernoch nicht deine Fotos geschickt habe. 

Danke für den Bericht, immer wieder schön etwas von dir zu lesen. 

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barsch horst    253

Liebes Tagebuch

Mit dem was ich hier schreibe, wären wir dann bezüglich der Fliegenfischerei wieder auf der Höhe der Zeit. Nach den Fischereiausflügen der letzten drei Wochen an Bach und See fühle ich mich tatsächlich sowas wie gesättigt für's erste, sozusagen überfischt. Dieser hier muss aber noch sein. Hat ihn doch Grischadingsbums (@grischafario) bereits angekündigt...

Es macht mir immer wieder Freude, Cousin D. alias Grischafario bei mir auf dem Sofa beherbergen zu dürfen. Noch viel schöner ist es, wenn wir uns dann ein paar Stunden rausstehlen können. Am liebsten mitten in der Woche. Da hat man nämlich seine Ruhe an den bernischen Patentgewässern. So geschehen kurz vor Ostern. Eine längere Reise lag nicht drin, deshalb entschieden wir uns für Neuland in nächster Umgebung: Bärbeln (Barbenfischen) mit Nymphe und auf Sicht. Dazu wählten wir eine durchaus urbane Szenerie aus. Diese hatte einen ganz eigenen Charme. Jeder der sich schon mal die Wathose in der Tiefgarage eines Grossverteilers angezogen hat, weiss wovon ich spreche. Beim verlassen der Tiefgarage laufen wir Ruten tragend am folgenden Slogan von Findus vorbei: "Heute schon gefischt?" Gerade noch nicht, aber gleich...

Barben also. Diesen Fisch kenne ich bis anhin nur als Beifang. Ich hatte schon Barben auf Wobbler beim Hechtfischen (!?), durfte schon Barben drillen beim Zapfenfischen mit Nymphe auf Aeschen und auch auf den Gummifisch durfte ich die Bartträger bereits begrüssen. Dieser kampfstarke Fisch war als Beifang jedenfalls immer willkommen, gezielt befischt habe ich ihn soweit noch nicht. Nun haben wir das zu zweit probiert. Dabei scheint es sowas wie eine Korrelation der Beiden Wörter Barbe und Beifang zu geben.

Natürlich durfte Cousin D., da Gastrecht, zuerst in den Bach steigen. Es war schön zu zusehen, wie seine neue Schnur (Fliegengott Hansruedi Hebeisens- Signature- Line) durch die Ringe flutschte. Jetzt scheint die Combo wirklich zu passen. Ohne Hektik, mit engen Schlaufen und präzise werden die anvisierten Ecken erreicht, auch Rollwürfe haben ordentlich Dampf, die Line streckt sich nach dem Schiessenlassen und legt sich sauber aufs Wasser. Geilo, das funzt! Ich dafür werfe mich erst mal mürbe an der Gürbe. Entweder überwerfe ich Richtung Ufer (doofe Schnappfichten) oder wenn ich die anvisierte Stelle mal treffe, dann hat es sicher einen Ast im Gumpen. Jedenfalls montiere ich in der ersten Stunde dreimal neu. Highlight dieser Stunde war, als ich einen tieferen Zug anwarf und gleich darauf ein Biber daraus auftauchte und mich anstarrte. Ich setzte nicht nochmal nach. Bei der vierten Montage setzte ich dann auf eine etwas kleinere Nymphe. Mit den schwereren Grossen produziert ich nur einen Hänger nach dem andern. Dieser Entscheid sollte sich, zumindest was den Beifang anbelangt, als richtig herausstellen:

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Beifang Nr. 1 war eine ordentlicher Dickkopf. Beifang Nr. 2 eine schöne BaFo, knapp unterhalb des Schonmasses..5cbd86972af07_041519_grbe_forelle.thumb.jpg.cefe91c24d2729807b279b8ad1dca6f5.jpg

Und jetzt zum eigentlichen Zielfisch, der Barbe. Es war nicht so, dass wir sie nicht gesehen hätten. Nein, es war auch nicht so, dass wir sie nicht anwerfen konnten, das auch nicht. Sie ignorierten schlicht und einfach unsere Köder. Auch wenn diese genau in ihrer Zugbahn über den Boden dahergehoppelt kamen. Sie wollten einfach nicht. Es war zum Verzweifeln. Einer spottete den Fisch und positionierte sich in erhöhter Warte um den anderen beim Werfen zu unterstützen (Noch einen Meter weiter, etwas mehr nach rechts... Gut, perfekt! Will nicht!). Das Highlight diesbezüglich war eine Barbe, welche sich nach dem ca. 10ten Versuch sie anzuwerfen kurz in eine Rückströmung zurückzog um dann in die Strömung zurück zu kehren. Dort installierte sie sich ca. 1m vor Grischafarios Rutenspitze in der Strömung und begann zu nymphen. Jeden weiteren Versuch, sie ans Band zu bringen ignorierte sie abermals...

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Coaching von oben: "Schön in die Hauptströmung, nicht zu weit, dort hat es Äste, genau, perfekt! Jetzt einfach treiben lassen. Vorbei..."

Bei Cousin D. klappte es auch nicht mit Beifang. So rein wie in diesem Jahr wird sein Karma wohl an der Bündner Bacheröffnung am 1. Mai noch nie gewesen sein. Möge die Göttin la Ritscha dies Berücksichtigen und ihm eine hübsche Bündnerin ans Band hängen. Bei diesem Anlass wäre ich gerne dabei und würde ihn abfeiern. Aus meiner Sicht hätte er es mehr als verdient, dieser Tag war schlicht fies zu ihm. Aber was noch nicht ist kann noch werden. Entsprechend werden wir Bärbel wieder daten und freuen uns schon heute darauf, wenn der erste CH-Bonefisch unsere Rute biegen lassen wird. 

Tight lines & good moods

Horst

bearbeitet von barsch horst
Rechtschreibung
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barsch horst    253

Nun liebes Tagebuch, hier ein paar Gedanken über den Umgang von uns Menschen mit unseren Gewässern…

Die letzten Monate habe ich mehrere fliessende Patentgewässer meines Kantons mit der Fliege befischt. Dabei bin ich ins Grübeln gekommen, bezüglich Gewässerstruktur/-Zustand, Bestand und dem Einfluss von uns Fischern. 

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Da gab es super natürlich anmutende Gewässerabschnitte fernab von Strassen, schluchtig und wild, in welchen ich kaum Insektenlarven geschweige denn Fischaktivität ausmachen konnte. Evtl. liegt es ja an der Ebene oberhalb, welche landwirtschaftlich intensiv bewirtschaftet wird. Das Gewässer gleich «um die Ecke» ist arg verbaut, wird von der Landwirtschaft kaum tangiert und der Zugang ist eher schwierig und mühsam. Siehe da, hier hat es Köcherfliegen am Laufmeter und es hat Fische. Und an praktisch allen Gewässern trifft man früher oder später auf eine Fassung, welche der Energiegewinnung dient…

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Andere Strecken, gleich neben der Strasse, weisen eine natürliche Struktur auf, sind kaum verbaut und darin wimmelt es von Kleinforellen. Exemplare oberhalb des Schonmasses fehlen aber weitgehend. Hier durfte ich auch vereinzelt verhakte Fische finden, welche angespült wurden… Den Wurm schön tief im Rachen, das Vorfach vorschriftsgemäss abgeschnitten.

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Eine Eigenschaft hatten die Bestände aller Gewässer gemeinsam: Irgendwann begann ich zu messen und musste feststellen, dass die grössten Fische fast alle knapp unterhalb des Schonmasses lagen. Ich konnte auch vereinzelt massige Exemplare fangen. Meine persönliche Statistik zeigte aber Verhältnisse von 7:1 bis 13:1. Wobei ich mich selbst an der Nase nehmen muss, da die Fliege nicht die selektivste aller Angelmethoden darstellt. Mit zB. Gummis am Chebu ist die selektive Befischung der grösseren Exemplare sicher einfacher. Dafür halte ich die Fliege für am schonendsten. 

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Zurück zu den Massen… Es war signifikant: liegt das Schonmass bei 28cm, konnte ich Fische bis 27.5cm fangen, lag das Schonmass bei 24cm, stoppte das Massband bei 23,8cm und bei einem Schonmass von 22cm stoppte das Massband meist bei… Genau. Die wenigen Fische mit Fangmass waren eher Ausnahmeerscheinungen. Natürlich kann man mit der natürlichen Altersstruktur argumentieren, ersichtlich ist, dass die Pyramide beim Schonmass stoppt, darüber ist weitgehend Leere. Wobei das eine oder andere Gewässer eine Überraschung bereithielt. So war ich zB. nach mehrmaligem Drill von untermassigen Forellen nicht bereit, einen Fisch um die 40cm aus der Hauptströmung zu dirigieren. Der Fisch konnte sich mit Kapriolen sauber aushängen. Dabei handelt es sich, in meinem Erfahrungsschatz, um Ausnahmen und hoffentlich halten sich seine erlittenen Verletzungen in Grenzen.

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Das Ganze lässt mich grübeln, weil…

1.    Wenn ich an solchen Gewässern fische, bewege ich mich am Rande der Illegalität. Meine Angelei ist nämlich vorsätzlich und mit dem Wissen, dass ich mit grosser Wahrscheinlichkeit kaum Massfische fangen werde, betreibe ich doch aus juristischer Sicht vorsätzlich Catch & Release

2.    Die letzten ca. 150 Jahre Ingenieurswissenschaften, Agrartechnologie/ -Chemie, Demographie inkl. Energieverbrauch haben uns Menschen mehr Futter auf den Teller und Sicherheit vor Hochwassern beschert. Sie hinterliessen aber Spuren in und an unseren Gewässern, welche man getrost als Sünden bezeichnen darf. Dieser Entwicklung gibt es Widerstand zu leisten.

Nun, ich möchte hier nicht abermals eine C&R-Debatte lostreten. Es war mir wichtig, meine Gedanken zu den Erlebnissen in Worte zu fassen. Meinen persönlichen Umgang mit der Situation werde ich finden müssen. Jedenfalls erachte ich es als unumgänglich, dass wir Fischer uns für unsere Gewässer einsetzen, sie nachhaltig bewirtschaften/-fischen und uns in der Öffentlichkeit für unsere Gewässer stark machen. Sonst macht es nur der Rösti und sein Club aus der Energiebranche. Deren Einsatz zur Bewirtschaftung unserer Gewässer wird mit Sicherheit nachhaltig sein, für ihren Geldbeutel.  

Stand up! Und Petri.

 Euer Horst

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Perch    10

"Sonst macht es nur der Rösti und sein Club aus der Energiebranche. Deren Einsatz zur Bewirtschaftung unserer Gewässer wird mit Sicherheit nachhaltig sein, für ihren Geldbeutel.  "

Nichts hinzuzufügen, auf den Punkt gebracht.

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Pesche    41

hoi brasch horst

Danke viel mal für den super Bericht mit den leider erschreckenden Fakten. Ja jeder weiss es eigentlich, man redet darüber aber machen tun wir Fischer viel zu wenig. 

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barsch horst    253
Am 26.7.2019 um 23:41 schrieb Dickbait:

...Um die Problematik ganzheitlich anzugehen, benötigte es ev. eine Strukturmassnahme wie ein anderes Fischereisystem. Was ich aber eigentlich auch schade fände. Oder aber Alternativmassnahmen wie beispielsweise rollierende Schongebiete bzw. Fischereiverbote. Solche Sachen werden früher oder später sowieso vermehrt kommen. 

Zum Rösti und seine Freunde: Auch wenn er geschweige denn seine Partei mir symphatisch ist, finde ich es falsch, hier ein Bashing zu betreiben. Wenn die Schweiz und halb Europa aus der Kernenergie aussteigen will, müssen wir die Erneuerbaren und die Wasserkraft fördern. Obwohl der zusätzliche Nutzen von Klein(st)wasserkraftwerken zugegebermassen sehr gering ist. Wir Fischer müssen auch einsehen, dass wir nicht die einzigen mit durchsetzungswürdigen Interessen sind. Allerdings bin ich einverstanden, dass die Auflagen verschärft oder zumindest einmal eingehalten werden müssen, z.B. im Hinblick auf das Thema Schwall und Sunk.  

Da bin ich nicht ganz bei dir, bezüglich Fischereisystem schon. Bei der Wasserkraft sehe ich es so, dass Wasserkraft in keiner Weise als "ökologisch" durchgehen darf, da Ökosysteme dadurch richtiggehend zerschnitten werden. Zudem ist die Stromproduktion per Wasserkraft zZt. defizitär. Somit ist Strom aus Wasserkraft weder ökonomisch noch ökologisch nachhaltig. Sozial halte ich es auch für fragwürdig, wenn Kleinkraftwerke über die KEV vom Steuersubstrat unseres Staates profitieren. Und dass sich die Energiekonzerne nicht an die Restwassermengen (Recht) halten und damit durchkommen, sagt einiges über das Gebaren und die Motive der Stromlobby. Das ist schlicht illegales Verhalten und gehört sanktioniert. Wetten, der Club hat für diese Sanktionen bereits die entsprechenden Rücklagen gemacht?  

bearbeitet von barsch horst
„Gesetz“ rausgenommen, „(Recht)“ reingeschrieben. Inhaltliche korrektur.

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grischafario    67

Hey Barschhorst

Auf einigen diesen Touren durfte ich dich begleiten, und weiss daher, wovon du sprichst. Auch bei uns im Grischaland sieht es ähnlich aus. Zwar liegt doch in den Bächen die eine oder andere mässige drin, die meisten jedoch haben bis knapp Schonmass-Grösse. Aber auch wenn man sich dessen bewusst ist, beachte ich doch die Fischerei an diesen Gewässern NICHT als vorsätzliches C&R (auch wenn man das - rein theoretisch und aus einem sehr restriktiven Standpunkt aus als solches bezeichnen könnte). Du gehst ja mit der Absicht, deiner Familie einen Fisch kredenzen zu können, ans Wasser. Und wenn man halt nicht zu einem noblen Kreis der Auserwählten gehört, der an einem der gut unterhaltenen und wenig befischten Bächen im BEO fischen darf, dann bleiben dir halt "nur" die Patentgewässer...

Jedenfalls freue ich mich auf unser baldiges gemeinsames Troutstalking im Grischaland - da kannst du dir vor Ort ein Bild machen, wie es bei uns aussehen kann. Und - ja - viele Fischer entnehmen sehr viele Fische. Aber ich bin der Überzeugung, dass dies lediglich noch eine Sache von ein bis zwei Generationen ist, bis sich das ändert (falls es bis dann noch Fische hat). Schau dich um, die nachhaltig fischenden Jugendlichen werden immer zahlreicher, wachsen mit dieser Einstellung auf, und setzen das auch an den Gewässern um. Und für alle nicht Einsichtigen werden halt dann die Vorschriften angepasst. Bei uns im Grischaland werden nächstes Jahr eine ganze Menge von neuen Vorschriften in Kraft treten - was man so hört, sollen sie stark auf Nachhatigkeit abzielen. Bin mal gespannt - wir werden Vorreiter sein.

Bis dann - Bütscha la Ritscha

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barsch horst    253

@grischafario: Ja, freue mich grossartig auf unseren nächsten Ausflug im Grischaland. Und ja, du hast recht, ich ziehe in der Regel mit der Gerte los, um auch den einen oder anderen Fisch zu entnehmen. Ausser in Andorra, da habe ich erstmals vorsätzlich C&R betrieben. Dort habe ich mir eine Tagesberechtigung für die Befischung einer "No Kill" Strecke an der "Valira del Nord" besorgt. übrigens ein interessantes System, welches die Andorraner da für ihre Gewässer ausgedacht haben. Man löst eine Berechtigung für 6.90Euro, dann zusätzlich für die Art der Nutzung. Sprich, ich will No Kill-Strecken befischen und keinen Fisch entnehmen, macht 3,85Euro zusätzlich für die Strecke. Wer Fisch entnehmen will, bezahlt zusätzlich für die Entnahme. Dann gibt's noch Seen  mit Besatz, wo mehr entnommen werden darf, entsprechend höher ist dann der Obolus für den Staat. Aber eigentlich will ich mich nicht über das Patentsystem der Andorraner ausschreiben...

Bereits als ich am Vorabend den Bach um den Camping herum etwas stalkte, wurde mir klar, dass dieser Bach Überraschungen für mich bereithalten wird. Das Wissen darüber, dass die Bäche eine autochthone Fario-Familie beherbergen soll, steigerte den Thrill zusätzlich. Entsprechend stieg ich morgens leicht fröstelnd und mit grossen Erwartungen in das Gewässer, welches gleich neben unserem Zelt durchrauschte. Hier die Einstiegsstelle gleich oberhalb des Campings. Etwas viel Botanik, aber sollte gehen.

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Morgens fischte ich noch mit der Nymphe und konnte relativ schnell entschneidern. Das kleine Fischlein lag vor mir im Kescher und ich konnte mich kaum satt sehen an dieser schönen Zeichnung. Die jungen Fische wirkten irgendwie gedrungener/bulliger als unsere BaFos. Als bräuchte ich den Vergleich zwischen der uns bekannten Fario und der schönen Andorranerin, konnte ich keine paar Würfe später eine "normale" Fario in ähnlicher Grösse keschern. Vergleicht selbst:

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Wusste gar nicht, dass diese beiden Ausprägungen derselben Art nebeneinander im selben Gewässer vorkommen. 

Nach dieser Action wechselte ich auf die Trockenfliege. Schliesslich wollte ich den Fisch des Tages dann doch klassisch aus dem Gewässer kitzeln.

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Und hier zeigte mir dann das Gewässer erstmals sein Potenzial. Ich schlich mich von unten an diese tiefe Stelle an und platzierte meine geliebte Royal Wolff etwa in der Mitte des tiefsten Bereichs am Rande der Hauptströmung. Noch während ich mir überlegte, wie optimal dieser Wurf jetzt gewesen sei, löst sich vom Grund ein Schatten und steigt langsam zu meiner Fliege auf, bleibt knapp darunter stehen, treibt kurz mit und verschwindet dann wieder zwischen den Steinen am Grund. Ich stehe mit offenem Mund und alten Trekkingschuhen im kalten Wasser, bin schlicht paralysiert. Das wäre meine grösste Forelle auf Trockenfliege gewesen. Dass sich solche Szenen im Laufe des Tages aneinanderreihen werden, ahne ich in diesem Moment noch nicht. Also setze ich mich erstmal zitternd auf einen Stein am Ufer und wechsle mit klammen Fingern das Muster. Anschliessend werfe ich den Zug noch mehrmals an, zum Teil mit für mich echt präzisen Würfen, aber nichts tut sich mehr. Merda, wie die Andorraner mit ihrer Mischung aus Französisch, Katalanisch und Spanisch zu sagen pflegen.

Etwas weiter flussaufwärts, zieht meine Rehhaar-Sedge, immerhin war die Wahl der Fliege nicht total abwegig. Dieser Fisch, Nr. 3 von 8 im Kescher, soll an diesem Tag dann auch mein grösster Fang sein. Abermals versetzt mich die Zeichnung dieser Fische in einen Zustand der Demut. Die Punkte auf der Flanke eng aneinander geschmiegt wie in einem Mosaik, dazu hinterlegt mit einer Schattierung wie wir sie von Jungfischen kennen. Dazu ein Perlmutt-schillernder Fleck hinter dem Auge. Wie schön ist dieses Geschöpf, was sind wir Menschen für Wichte mit unseren banalen Erfindungen und primitiven Zeitvertrieben im Angesicht solcher Schöpfungen der Natur...IMG_4967.thumb.JPG.1b7f46d9ccfc899b5b743cec904edf41.JPG 

Da ich Fische in aufsteigender Grösse fotografiere, gibt es von den restlichen Fischen keine Bilder mehr. Schonend wurden diese im Wasser abgehakt und ziehen gelassen.

Es bereitet mir Freude zu sehen, dass meine bescheidenen Erfahrungen und Fähigkeiten mich auch im kleinen Pyrenäenstaat zu Fisch bringen. Den Kapitalen schien mein Spiel aber zu durchschaubar. Sie drehten den Spiess um, indem sie mich narrten. Zuerst versuchte ich es mit einem längeren Vorfach, dann mit einem dünneren, dann mit allen möglichen Fliegenmustern, grossen, kleinen, Käfern, Ameisen was immer mein Dose hergab. Das Resultat war dasselbe, die Grossen interessierten sich bestenfalls für die Fliege, durchbrachen dabei zT. sogar die Oberfläche, durchschauten den Fake und verschwanden wieder. Die Campingplatzforelle zum Beispiel, gleich hinter dem Klohäuschen, konnte ich in der Folge des Tages vier (!) mal zum Steigen animieren, genommen wurde nichts.

In meinem Flyfi-Portfeuille wird dies als "No Kill"-Effekt abgespeichert werden. Ich nehme an, dass diese Fische schon mehrmals negative Erfahrungen mit Anflugnahrung machten und deshalb nicht mehr jedem Dorftrampel auf den Leim kriechen. Wer behauptet, Fische seien nicht lernfähig, der muss mich mit Beweisen überzeugen und Studien über das Erinnerungsvermögen von Goldfischen werden dazu nicht zugelassen.

Horst

bearbeitet von barsch horst
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Gumpenkoenig    1'044

Herrlicher Bericht, wunderschöne Fische! War es für dich überhaupt kein Thema den grossen Gumpenköniginnen doch mal die Nymphe oder den Streamer zu präsentieren, um sie vielleicht doch noch rauskitzeln zu können?

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barsch horst    253

@Gumpenkoenig: Gute Frage. So ein Coaching hätte ich im Moment selbst brauchen können. Überlegt habe ich mir die Option Streamer schon, war aber zu fest im Fieber um die vorhandene Situation nüchtern dahingehend zu analysieren. Hatte ja morgens auf Nymphe zweimal Kleinfisch (einziger Erfahrungswert an diesem Gewässer) und die erste bessere nahm eine Trockene. Und hätten sich die grossen Fische nicht vom Boden gelöst, hätte ich sie nie zu Gesicht bekommen... Nein, ich wollte einen solchen Fisch auf Trockenfliege (ich will, ich will, ich will... und sie steigen ja... nur eine Frage von Vorfachlänge/ -dicke, Muster, Tageszeit, Präsentation, Geduld usw... hab mich da total verrannt). Still Rookie. Das nächste mal kommst du mit, natürlich ohne Rute, nur beraten ;-) Deal? 

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loup    16

Danke für diesen tollen Bericht. Die Forellen sind einmalig und erinnern mich an einen meiner ersten uralten Forellenwobbler, könnte ein Rapala gewesen sein vor einigen Jahrzehnten. Die Zeichnugn in meiner Erinnerung war auch so.

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Pesche    41

Danke barsch horst für den spannenden Bericht und die Hammer Bilder von den Schönheiten in andorrischen (Danke Seki) Gewässern. Unglaublich schöne Tiere, ähnlich wie bei japanischen Forellen (Yamame Trout) behlaten die Forellen in deinem Bericht die Schattierung des Kinderkleides. Einfach tolle Fische :thumbup:

bearbeitet von Pesche

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Seki    75

@Pesche

Möglicherweise sehen die Fische in Andalusien ja auch so aus, das mag schon sein. Andorra ist aber weder in oder neben Andalusien noch liegt Andorra in Spanien (was Andalusien tut) :upsidedown:

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zuma    86

Lieber Barsch Horst

Einmal mehr ein riesiges Dankeschön, dass Du uns an Deinem Tagebuch teilhaben lässt. Für mich ist es jedes mal ein Genuss, Deine Zeilen zu lesen und eine Freude, an Deinen Erkenntnissen teilhaben zu können. Mir scheint, dass Du Deine Ueberlegungen in die richtige Richtung machst, denn ich musste bei einigen von Deinen Feststellung schmunzeln!

Betreffend Fischbestände in unseren Patentgewässern hast Du aus meiner Sicht die richtigen Schlüsse gezogen! Betreffend Wasserkraft habe ich noch ein aktuelles, sehr betrübliches Beispiel:

Ich durfte vor einigen Monaten die Kraftwerksanlagen an der Grimsel (Handegg) anschauen. Dies ist das älteste Kraftwerk der KWO und beinhaltet 3 Stromturbinen. Davon läuft seit langer Zeit nur noch 1 Maschine. Auf die Frage, weshalb dies so sei kam die Antwort, dass es wirtschaftlich sinnvoller sei ein neues Kleinwasserkraftwerk zu erstellen (KEV lässt grüssen) als die bestehenden Maschinen zu revidieren! Eine (es hat ja zwei davon) dieser Maschinen produziere die Energie von 18 Kleinwasserkraftwerken! Da kommen einem die Tränen, wenn man so etwas hört und zeigt auf, wo die Probleme in der Energiepolitik effektiv liegen!

Nun noch zu Deinen "NoKill"-Streckenerfahrungen:

Dass die grösseren (erfahreren) Fische Deine Trockenfliege nicht genommen, sondern nur „gewürdigt“ haben, dürfte an folgenden zwei Faktoren gelegen haben:

Deine Fliege ist ein Standardmuster. Diese Muster werden von sehr vielen Fliegenfischern benutzt und weil die erfahrenen Forellen in NoKill-Strecken wohl diese Muster schon einige Male vorgeführt bekommen haben, kennen sie diese auch! Wenn Du selber bindest, dann verwende Deine eigene Fantasie und orientiere Dich nicht an Standardmustern.

Präsentationstechnik! Hier liegt in den meisten Fällen der Grund für eine Verweigerung! Die Forellen in unseren BEO-Bächen werden häufig mit der Trockenfliege befischt und lehnen eine (auch nur leicht) dreggende Fliege konsequent ab. Erst kürzlich habe ich einen kurzen Bachabschnitt „entdeckt“, welcher noch unbedarfte Forellen enthielt. Es war schon fast peinlich, wie mein Guidinggast trotz fürchterlich dreggender Fliege, zum Teil noch unterhalt des Auslaufs des Pools die Fische an den Haken kriegte. Die Forellen kannten die Trockenfliege noch nicht als „Feind“ und wollten diese mit allen Mitteln noch kriegen. Das pure Gegenteil also, was wir bei erfahrenen Fischen antreffen. Eine einmal vergrämte, wilde Forelle wird Dir auch nicht auf einen Fliegenwechsel hin noch steigen. Die leicht dreggende Fliege war ihr genügend Hinweis, dass es gesünder sei, gegenwärtig von der Nahrungsaufnahme Abstand zu halten!

Wie kann man nun die Präsentationstechnik verbessern?

An erster Stelle steht der Aufbau des Vorfachs – dieser ist sehr wichtig, um die nachfolgenden Techniken überhaupt anwenden zu können. Meine Vorfächer sind zwischen 450 und 600 cm lang. Ich knote diese selber, obschon es auch gezogene Vorfächer in dieser Länge gibt. Als Faustregel beim selber knüpfen gilt dabei:

0.50er in Deiner Körperlänge

0.40er in ½ Deiner Körperlänge

0.30er vom Ellenbogen bis zur Handspitze

0.25er in Handlänge

Anschliessend ein Perfectionloop und darin eingeknotet das Tippet in der jetzt noch notwendigen Länge um auf 450 bis 600 cm zu kommen. Bei den ersten Würfen mit diesem Vorfach werde ich verflucht werden – das weiss ich schon jetzt. Es ist nicht einfach (v.a. wenn man mit einer 180cm langen Gespliessten fischt) solche Vorfächer zu kontrollieren!

Bei der Präsentation mit solchen Vorfächern ist es das Ziel, dass das Vorfach niemals gestreckt abgelegt wird.  Der Aufbau des Vorfaches ist so gewählt, dass es in sich zusammenfallen kann. Nachdem nun die technischen Voraussetzungen geschaffen sind, dass eine Fliege auch im schnellsten Wasser dreggfrei präsentiert werden kann, kommt die eigentliche Präsentation. Bei dieser sollte man sich auf die Schnurspitze (nicht auf die Vorfachspitze!) konzentrieren. Bei entsprechend dosiertem Krafteinsatz wird das gesamte Vorfach nämlich genau der Schnurspitze folgen. Will heissen: Zielen mit der Schnurspitze und den Wurf so dosieren, dass das Vorfach wunschgemäss zu liegen kommt.

Links- und Rechtsbogen können mittels überpowern (bei Rechtshänder Linksbogen) oder durch Sekundärimpulse am Anfang des Vorschwungs (Rechtsbogen) erzielt werden

Ein extrem häufiges Problem ist die Strömung direkt vor dem Fliegenfischer! Wird die Rute nämlich nach der Präsentation gesenkt, liegt die Schnur im häufig schnellen Poolauslaufwasser und die Fliege bleibt nicht lange an ihrem „Hotspot“ liegen, da sie weggerissen wird. Hier kann das hochalten der Rute (high sticking) etwas Abhilfe verschaffen. Ein geschickt gewählter Punkt, von wo aus der Fliegenfischer präsentiert, kann hier wahre Wunder wirken.

Was nach meiner Erfahrung im Bergbach kaum eine Rolle spielt ist die Tippetstärke! Ich hatte vor Jahren eine Wette laufen, anlässlich eines Fliegenfischerausflugs ins Südtirol. Es hiess damals, dass über 0.14 Tippetstärke keine Fische gefangen werden können. Auch könne man die Trockenfliege eigentlich vergessen, da 98% der Fische mit der Nymphe gefangen würden. Ich fischte in dieser Woche (Wettbedingt) ein 0.30er Tippet! Hatte zum Teil Mühe, das Tippet ins Fliegenöhr zu bekommen, habe aber die Wette haushoch gewinnen können, indem ich mehr Fische fing als meine Kollegen zusammengerechnet. Krönung war dann die 78er Bachforelle auf Trockenfliege in der Passer, welche von der Tragkraft eines 0.30er Tippets wohl sehr erstaunt war. Der Fang wurde auch im Tal der Passer unter den Fischern diskutiert und es war schon lustig, am darauf folgenden Tag mehrere Fliegenfischer mit Trockenfliege am Werk zu sehen......

Solche erfahrenen Forellen, wie von Dir beschrieben, sind übrigens die besten Sparringpartner, wenn es darum geht, seine Präsentationsfähigkeiten zu verfeinern. Dass Du eine davon überlisten konntest spricht für Dich! Der Fisch ist dort zu Hause, kennt alles und weiss alles – einen solchen Fisch zu überlisten bedeutet alles richtig gemacht zu haben und der Fang zählt für ca. 20 dumme Besatzforellen.

Herzliche Gratulation!

Beste Grüsse

Kurt

  • Danke 2

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barsch horst    253

@zuma Danke für deine Anmerkungen bezüglich Energiepolitik. Leider wurde ich von den Mods darauf hingewiesen, keine politischen Diskussionen mehr anzuzetteln. Entsprechend werde ich das folgende Zitat unkommentiert stehen lassen (ausser danke, danke, danke ;-) 

Am 5.8.2019 um 11:31 schrieb zuma:

Betreffend Fischbestände in unseren Patentgewässern hast Du aus meiner Sicht die richtigen Schlüsse gezogen! Betreffend Wasserkraft habe ich noch ein aktuelles, sehr betrübliches Beispiel:

Ich durfte vor einigen Monaten die Kraftwerksanlagen an der Grimsel (Handegg) anschauen. Dies ist das älteste Kraftwerk der KWO und beinhaltet 3 Stromturbinen. Davon läuft seit langer Zeit nur noch 1 Maschine. Auf die Frage, weshalb dies so sei kam die Antwort, dass es wirtschaftlich sinnvoller sei ein neues Kleinwasserkraftwerk zu erstellen (KEV lässt grüssen) als die bestehenden Maschinen zu revidieren! Eine (es hat ja zwei davon) dieser Maschinen produziere die Energie von 18 Kleinwasserkraftwerken! Da kommen einem die Tränen, wenn man so etwas hört und zeigt auf, wo die Probleme in der Energiepolitik effektiv liegen!

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barsch horst    253
Am 5.8.2019 um 11:31 schrieb zuma:

Nun noch zu Deinen "NoKill"-Streckenerfahrungen:

Dass die grösseren (erfahreren) Fische Deine Trockenfliege nicht genommen, sondern nur „gewürdigt“ haben, dürfte an folgenden zwei Faktoren gelegen haben:

Deine Fliege ist ein Standardmuster. Diese Muster werden von sehr vielen Fliegenfischern benutzt und weil die erfahrenen Forellen in NoKill-Strecken wohl diese Muster schon einige Male vorgeführt bekommen haben, kennen sie diese auch! Wenn Du selber bindest, dann verwende Deine eigene Fantasie und orientiere Dich nicht an Standardmustern.

Präsentationstechnik! Hier liegt in den meisten Fällen der Grund für eine Verweigerung! Die Forellen in unseren BEO-Bächen werden häufig mit der Trockenfliege befischt und lehnen eine (auch nur leicht) dreggende Fliege konsequent ab. Erst kürzlich habe ich einen kurzen Bachabschnitt „entdeckt“, welcher noch unbedarfte Forellen enthielt. Es war schon fast peinlich, wie mein Guidinggast trotz fürchterlich dreggender Fliege, zum Teil noch unterhalt des Auslaufs des Pools die Fische an den Haken kriegte. Die Forellen kannten die Trockenfliege noch nicht als „Feind“ und wollten diese mit allen Mitteln noch kriegen. Das pure Gegenteil also, was wir bei erfahrenen Fischen antreffen. Eine einmal vergrämte, wilde Forelle wird Dir auch nicht auf einen Fliegenwechsel hin noch steigen. Die leicht dreggende Fliege war ihr genügend Hinweis, dass es gesünder sei, gegenwärtig von der Nahrungsaufnahme Abstand zu halten!

Wie kann man nun die Präsentationstechnik verbessern?

...

@zuma Jetzt finde ich Zeit, auf den inhaltlichen Teil deines Posts zu reagieren, welcher sich mit den schönen Seiten des Fliegenfischens auseinandersetzt. Nämlich: Der Technik und der Frage des Komplettierens eigener Fähigkeiten. Wenn ich deinen Post lese, dann sehe ich mindestens zwanzig Jahre Differenz zwischen unseren Erfahrungswerten. Ich glaub dir sofort, dass regelmässig "releasede" Fische nicht mehr auf Standardmuster reagieren. Mit dem eigenen Bindestock betritt man aber eine ganz neue Ebene und die Fliegenfischerei wird nochmals vielschichtiger. Bevor ich hier auch meine Erfahrungen mache, brauche ich erst mal mehr Zeit und Ruhe in meinem System. Bis dann werde ich auf die ganz grossen Fische verzichten.  

Zu deinen Vorschlägen bezüglich Verbesserung der Präsentation: 

Wie fischt man ein 6m(!) langes Vorfach mit einer 1.80m Rute? Das ist ausserhalb meiner Vorstellung. Bis jetzt wähle ich die Vorfachlänge grundsätzlich nach folgender Formel: Rutenlänge = +/- Vorfachlänge. Wähle ich das Vorfach inkl. Tippet wesentlich länger, kann ich das bei mir im Fluss noch kontrollieren, mit entsprechend Rückraum und gleichmässiger Strömung. Auf engem Raum und in wilder Strömung neige ich eher dazu, das Vorfach zu kürzen und/oder die Schnur mal über einen Stein abzulegen, damit die Strömung nicht gleich alles wegreisst. Hoher Stock funktioniert auch. Dabei bekunde ich aber Mühe, bei einem Biss die Leine zu strecken bzw. den Haken zu setzen. 

Wo ich mich für den Wurf positionieren muss, das bekomme ich langsam in den Griff. Dabei muss ich die Rahmenbedingungen Wurfraum, Wind, Strömung, Wassertrübung, Standort der Fische usw. wie auch die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen. Dazu braucht es innere Ruhe. Sonst verscheucht man die Fische oder plagt sich mit der Botanik. Mein Getänzle im Bachbett würde ich gerne mal von aussen betrachten. Wenn ich mir vorstelle, jetzt mit 6m Vorfach in ein Bachbett zu treten, da würde der eine oder andere Faktor verändert werden...

Dank dir weiss ich jetzt auch, weshalb ich tendenziell linke Bögen werfe (überpowern). Einen Rechtsbogen zu werfen durch "Sekundärimpuls zu Beginn des Vorschwungs", ist für mich schon sprachlich nicht fassbar. Bleibe ich da beim Vorschwung nach dem Ersten Vorwärtsimpuls auf 2 mit der Bewegung nochmals kurz stehen und ziehe dann durch zum Ablegen?

Dann ist da noch deine Story von der Passer. Die Geschichte finde ich schlicht grossartig. Klassisches Storytelling und Fischen gehören für mich zusammen wie Siamesische Zwillinge. Egal was andere Fliegenfischer sagen. Dieser Fisch ist aus meiner Betrachtung nämlich eine Metapher dafür, wie bereichernd es für eine Gruppe Menschen sein kann, wenn eine Einzelpersonen im Denken und Handeln gelegentlich die "Box" verlässt. Zudem finde ich Wetten Weltklasse. 

Nun hoffe ich, dass ich es bis Ende September nochmal schaffe zu dir ins Hasli, wäre mir ein Vergnügen, mit deinem Erfahrungsschatz im Rücken meine selbstgezimmerte Box mal wieder zu verlassen.

Biss bald

Horst aka. R. 

  • Danke 1

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zuma    86

Lieber Barsch Horst

Sorry, dass ich Dir erst jetzt antworte - ich war fliegenfischenderweise im Engadin die letzten Tage....

Theoretische Wurfbeschreibungen sind sehr schwierig und somit wäre es natürlich am einfachsten, mal zusammen ein paar Stunden am Wasser zu verbringen. Es ist wirklich erstaunlich, was ein solch langes Vorfach für Möglichkeiten bietet - das muss man jedoch sehen.

Es würde mich ausserordentlich freuen, wenn wir es dieses Jahr noch schaffen!

Herzliche Grüsse

Kurt

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loup    16

Kurt, ich bewundere dein Wissen und Können in der Fliegenfischerei. Danke für deine Beitäge.

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zuma    86

Lieber Peter

Vielen Dank für die Blumen! Wenn ich nur ein Quäntchen Deines Wissens bezüglich Schleppfischerei hätte, wäre ich dieses Jahr wohl doch noch mit einer massigen Seeforelle belohnt worden. Offenbar habe ich das Anfängerglück letztes Jahr zu stark beansprucht.....

Herzliche Grüsse aus dem verregneten Haslital

Kurt

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