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Mötti

Schreck Jubiläum

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Mötti    247

Am 4. Januar 1949 wurde im SHAB Nr. 2 auf Seite 14 folgendes publiziert:

Fr. Schreck, in S c h l i e r e n , Fabrikation gespleister Spezialitäten, insbesondere Angelruten Marke "Split-Record" und "Inlet".

Ob es die Split-Record wirklich gab, oder ob dies eine nicht umgesetzte Idee war, ist mir leider nicht bekannt. Zuerst meinte ich, die Marke wurde von Fritz Schreck für den Casting Sport genutzt, bei welchem er seine Eigenentwicklungen nicht nur selber mit grossem Erfolg einsetzte (siehe hier auf Seite 38 kleine Biographie und ein Foto beim Training http://www.schlieren.ch/dl.php/de/5791c38e1a124/Jahrheft_2012.pdf), sondern weit über die Landesgrenze hinaus verkaufte. Aber auch dort waren seine Ruten unter der Marke «Inlet» bekannt (siehe https://www.zobodat.at/pdf/Oesterreichs-Fischerei_7_0091-0093.pdf).

Diese Inlet Ruten und besonders die gespliessten Ruten von Fritz haben es mir sehr angetan. Weshalb man sich für überhaupt für alte Bambusruten begeistern kann wird einem grossen Teil von Euch vermutlich schleierhaft sein. Bei jenen die noch nie eine Gespliesste oder irgendeine schwabbelige Bambusgerte in den Händen gehabt haben kann ich das gut verstehen. Ja, die gibt es. Und sicher gibt es auch sehr schöne und teure Bambusruten denen das gewisse Etwas dem die Engländer «steely feeling» sagen fehlt. Man fühlt bei einer guten Bamubsrute den Schweiss und das Herzblut ihres Erbauers und ab und zu scheint es mir, dass diese Ruten eine Seele haben. Ob man mit einer alten Gespliessten noch heute angeln kann ist lediglich eine Frage des Zustands. Wenn die Verbindungen beim Trennen ein lautes Plop machen, die Bindungen und Ringe ohne Schäden und vorallem der Lack überall den Blank noch gut vor Wasser schützt, dann steht dem nichts im Weg. Spass macht es auf jeden Fall und für gewisse Einsatzgebiete haben gespliesste Ruten Vorteile. Das man dabei die Rute aber mit Respekt und Vorsicht handhabt und die allgemeinen Grundsätze für das Fischen mit Gespliessten befolgt ist selbstredend (etwas sehr detailiert hier unter Coarse ==> http://www.barder-rod.co.uk/coarse rods/coarse rods care and maintenance.aspx und Fly ==> http://www.barder-rod.co.uk/fly rods/fly rods care and maintenance.aspx).

Fritz Schreck hat seine Inlet Ruten für wohl fast alle Einsatzgebiete und Zielfische gebaut. Aber ein paar Dinge haben sie alle gemeinsam:

Sie sind schlicht und haben keine Zwischenwicklungen oder Verzierungen. Zweifarbige Bindungen an den Ringen sind das höchste der Gefühle. Bei den Gespliessten kommt so die eigene Schönheit des Bambus besonders gut zur Geltung.

Der Verwendungszweck steht immer im Vordergrund. Wo nötig wurde mehrfach gespliesst oder hohl gebaut, auch wenn es viel aufwändiger war. Wo nötig wurde ungleich geteilt, auch wenn es den Transport erschwerte und damit das Risiko für Beschädigung erhöhte.

Was an Know-how in den Ruten steckt, das wurde mit try and error ertüftelt. Fritz Schreck war kein Kopist sondern ein Selbermacher der ausser mit Charles Ritz auch keinen Austausch mit anderen Rutenbauern pflegte. Er soll auch einen grossen Teil der Werkzeuge selber gemacht haben.

Für die Blanks wurde nur sehr gute Ware verbaut. Dies gilt wohl nicht nur für die Gespliessten sondern auch für Glasfaser- und Carbonruten bei denen Sportex der Lieferant war. Bei den Ringen der Gepliessten bin ich mir da nicht ganz so sicher, ob man die als Top bezeichnen kann. Aber vermutlich hat Fritz damals nichts besseres bekommen. Ich hatte letztes Jahr einen kurzen Austausch mit einem Rutenbauer aus England der recht viel restauriert. Er meinte das die hart verchromten Ringe aus dieser Zeit schlicht nicht mit der Qualität der heutigen Ware zu vergleichen sind. Daher sollte man beim corse fishing mit altem Gerät mit Original-Beringung eine dehnungsfreudige (z.B. Maxima Chameleon) und keine vorgestreckte Schnur mit hoher Tragkraft und schon gar keine geflochtenen Schüre verwenden.

Was nicht alle Inlet Ruten gemeinsam haben, ist das schöne Eisvogel-Logo. Irgendwann wurde es durch ein Logo mit Landzunge und Sonne ersetzt. Mir scheint es fast, als habe der beauftragte Grafiker nicht ganz verstanden was ein Inlet ist. Auch scheint mir, dass sich Fritz darüber geärgert hat. Denn auf einigen Ruten wurde die Landzunge herausgeschnitten und das Logo in zwei Teilen aufgebracht. Noch später gab es dann noch ein goldenes Logo ohne Bild und nur dem Schriftzug «Fr. Schreck».

Aber es gab auch eine Zeit vor Inlet. Im Interview mit Reinhold Bruder und Dr. David Popp (Der Fliegenfischer, Heft 128, Sep/Okt 1997) erzählt Fritz Schreck wie er seine erste Rute gebaut hat und sie einem Freund ausgelehnt hat, welcher sie dann einem Händler aus Zürich zeigte. Dieser soll so begeistert gewesen sein, dass er mit Fritz einen Abnahmevertrag machte. Fritz Schreck hängte seinen Beruf als Coiffeur an den Nagel und baute gespliesste Blanks, der Handler machte dann die restlichen Arbeiten.

Ich konnte es mir bis jetzt zwar nicht bestätigen lassen, aber eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich bei meiner letzten Anschaffung um eine solche Ur-Schreck Rute handelt. Der Blank sieht verdächtig ähnlich wie der meiner kurzen, leichten 1.80m Inlet Rute aus, welche ich bereits vorgestellt habe. Daher hier der Vergleich:

Auf dem Blank hat es kein Logo von Schreck, sondern ein goldiges «Fischerei- u. Sportartikel AG Zürich» mit einem Fisch.

Ur_Schreck1.thumb.JPG.05378acb4213279581340762205fb4c8.JPGUr_Schreck2.thumb.JPG.14193350c31c8302f8f1e0da0a7936fb.JPG

Der Blank ist im Gegensatz zur Inlet Rute gleichlang geteilt und das Spitzenteil ein wenig kürzer (Gesammtlänge 1.68m anstatt 1.80m). Wie auch bei der Inlet fühlt er sich sehr knackig an.

Ur_Schreck4.thumb.JPG.46d3697c5fd7f3b864d7319c0d56884c.JPGUr_Schreck5.thumb.JPG.a6b7c9e2036ad25b6d2dc442533bfdc6.JPG

Der Führungs- und der Spitzenring ist im Gegensatz zur Inlet Rute ohne Einlage, wobei letzterer eine ovale Öffnung hat. Die Anzahl Ringe ist vier und nicht fünf.

Ur_Schreck3.thumb.JPG.175c05aed2b7cd6092ae53a004c382b4.JPG

Die Bindungen sind nicht wie bei der Inlet gold/schwarz sondern rot.

Eine Hakenöse ist im Gegensatz zur Inlet nicht angebracht.

Es hat keine Bezeichnung «L» für light, keine Zahl welche die Länge angibt, keinen Modellnamen, keine Gewichtsangabe und auch keinen Mass für die gefangenen Fische auf dem Blank. Alles Sachen, die bei den Inlet Ruten häufig mit Tinte angebracht wurden.

Die Hülsen sehen sehr ähnlich aus.

Ur_Schreck6.thumb.JPG.4405ca1310b625a54e37e3dce5157886.JPG

Der Korkgriff hat keine Abschlusskappe, ist ein wenig länger und im Gegensatz zur leichten Inlet einen Schraubrollenhalter.

Ur_Schreck7.thumb.JPG.f0f256a7dc95660394e24c2fb6134021.JPG

So, das war es für’s mal für den Anfang. Ich werde wohl von Zeit zu Zeit in diesem Jubiläums-Jahr noch etwas vorstellen. Leider gibt es ja keinen Schreck-Katalog, in dem man sich über die Fülle seines Schaffens ein Bild machen kann. Es würde mich deshalb auch sehr freuen, wenn auch andere Sammler und Fischer Lust und Musse haben eine Rute von Fritz Schreck zu porträtieren. Oder eine Anekdote zu notieren. Oder über ihren Einsatz von Inlet Ruten berichten. Es muss keine gespliesste Rute sein, es wurden auch mit neueren Materialien von Fritz Schreck fabelhafte Ruten gebaut.

Gruss

Mötti

bearbeitet von Mötti
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Lutra    100

 Ich habe auch noch so eine Rute zu Hause, jedoch als Deko. Sie ist sehr alt und ich trau mich nicht, damit zu fischen. Leider kann man den Namen nicht mehr lesen. Sie sieht der präsentierten zum verwechseln ähnlich, von dem her könnte es sich um eine Schreck Rute handeln. Jetzt wo ich ein paar Details mehr habe, kann ich sie mir noch einmal genauer anschauen.

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Guten Morgen Mötti

Sehr schöner Bericht über den lieben Fritz Schreck vielen Dank.  Das mit dem Jahr 1949 habe ich tatsächlich nicht gewusst. Ich selber fische fast ausschliesslich mit Bambus, darum nennt man mich am Rhein den Nostalgie Fischer. Normalerweise sind es Engländerinnen, die ich ans Wasser führe, da leider in der Schweiz nicht unbedingt Avon oder Carp Ruten gebaut wurden. Eine Schreck Lech besitze ich aber. Die wurde damals auf speziellen Kunden Wunsch gebaut. Sie hat zwei Spitzen und ist sehr stark. War wohl für das Schleppen in den Staustufen des Lech oder für das Huchenfischen gedacht. Eine Warnung möchte ich allerdings aussprechen, Fischen mit Gesplissten macht süchtig, also Vorsicht bei einem Versuch, die Schäden für den Geldbeute können verheerend sein.

Gruss

H.P.

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Mötti    247

@Lutra

Kannst gerne auch ein paar Fotos rein stellen, vielleicht lässt sich etwas dazu sagen. 

@Centrepinfan

Hoi H.P., schön das Du Dich meldest. Von der Lech hast Du mir ja schon mal etwas geschrieben. Ist sie für Dich ein Sammelobjekt oder nimmst Du sie für Schnabelhuchen? 

Gruss 

Mötti 

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AAA    48

Hallo,

auch ich bin einer, der sehr gerne mit alten Ruten angelt. Und auch ich habe eine "gespleisste" Rute. Hersteller unbekannt, aber die Rute ist uralt und ich habe Sie schon sanft restauriert mit Bootslack. Sie ist zusammen mit der Rekord Schweizer-Rolle jedes Jahr im Herbst im Einsatz, wenn ich auf Hecht im Elsass angle. Und das auch mit Erfolg, denn sobald ich einen Hecht mit der Rute gefangen habe, wird Sie feinsäuberlich wieder an Ihren Ehrenplatz in den Rutenständer gestellt.

Mich freut es immer wieder, wenn ich eine alte Rute oder Rolle bewundern kann, oder allenfalls von einem noch älteren Angler der aufhört mit seinem wohlgeliebten Hobby und ich sein " Prunkstück" von Rolle in meine Glasvitrine stellen kann. Oder seine Rute welche etliche Geschichten erzählen könnte, wenn Sie sprechen könnte,  in meinem Angelzimmer im Rutenständer Ihren wohlverdienter Ruhestand und als Ausstellungsobjekt erfreuen darf.

Da schauen meine neueren Angelobjekte fast neidisch hinüber...........

AAA wünscht allen ein Petri ...........

IMG_1997.JPG

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Mötti    247

Schon wieder ist ein Monat vorbei. Eigentlich wollte ich als nächstes von einer Carbon INLET berichten, welche für das Felchenfischen gebaut wurde. Ich hatte eine Einladung für einmal tüchtig frieren auf dem Bielersee plus Steinpilz-Fondue zum wieder auftauen. Es hatte ein anderer Lieberhaber von altem Fischermaterial das Vorhaben mich von meiner Felchen-Pimper-Jungmännlichkeit zu erlösen. Da sagte ich sehr gerne zu und dachte ich könnte nachher etwas schreiben, so quasi ein Felchen-Dummy-Pimper-Bericht. Aber leider kam ein Sturm dazwischen und das Unternehmen musste deshalb auf ein anderes Mal vertagt werden. Daher jetzt etwas anderes.

Fritz Schreck war ja bekannter massen nicht nur Fischer und Rutenbauer, sondern auch begeisterter Caster. Zumindest sieht er in diesem Film von 1964 sehr begeistert aus.

https://www.youtube.com/watch?v=biTDCr4koTM

Ab 1:10 ist er in Aktion zu sehen, zumindest glaube ich ziemlich sicher ihn zu erkennen. Keine Ahnung ob dies nun eine guter Wurf oder ob das die Disziplin "Fliege weit" ist. Ich verstehe davon nicht mehr als vom Felchelen. Aber ich glaube auch Hansruedi Hebeisen in jungen Jahren zu erkennen (1:05) und das bringt mich zur nächsten INLET. Nämlich der gespliessten INLET 220 M „Hebeisen – Spezial“, welche neben der kurzen Spinnrute der «Fischerei- u. Sportartikel AG Zürich» (deren Herkunft aus der Werkstatt von Fritz Schreck ich mir in der Zwischenzeit bestätigen lassen konnte) von einer weiteren Zusammenarbeit zeugt. Die „Hebeisen – Spezial“ wurde mit gold-schwarz gebunden. Dies war ein recht häufiges Pattern bei den gespliessten Ruten von Schreck. Ob er selber oder seine Frau über die Farben entschied kann ich nicht sagen. Gesichert ist jedoch, das sie zumindest zeitweise die Wicklungen gemacht und die Futterale genäht hat.

Hebeisen_Spezial_1.thumb.JPG.db625f9313c79bb6538c5e098619c110.JPGHebeisen_Spezial_2.thumb.JPG.363670e34fd7e295a3ca9f53ec306fc5.JPG

Ich habe auch schon Bilder von einer INLET Carbon gesehen, welche mit Hebeisen - Spezial angeschrieben war. Wann welche genau gebaut wurde weiss ich nicht.

Ach ja, noch etwas. Ich habe ein Foto einer Split-Rekord, respektive des Transfer-Logo zugeschickt bekommen. Also hat Fritz tatsächlich unter dem Namen auch Ruten hergestellt.

Gruss

Mötti

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    • Von Mötti
      Hoi zämme
      Ich habe mir eine gespliesste Rute der Marke Inlet gekauft, welche ich mit meiner Staro Rolle von Ingenieur Glaser fischen möchte. Sie ist recht straff, 180cm lang und hat am ersten und letzen Ring ein Einlage. Ich vermute sie ist für Line Rating 4lb, wegen der Zahl neben der Längenangabe. Wie typisch für Fritz Schreck hat es noch einen Masstab auf der Rute, damit man den Fang gleich messen kann. Der Baumwoll-Sack scheint nicht orginal zu sein, da er kein Eisvogel drauf hat. Die Rute sieht auf den ersten Blick tadellos aus. Auf den zweiten habe ich dann aber doch einen kleinen Hick zwischen Griffstück und Hakenöse entdeckt. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob dort der Splitt etwas gesprungen ist. @zuma: Was meinst Du als Rutenbauer, da muss deshalb neu Lackiert werden damit kein Wasser eindringen kann, richtig? Das möchte ich nicht selber machen. Ich weiss dass Du schon einige Ruten von Fritz Schreck restauriert hast. Machst Du so etwas noch oder hast Du ein Empfehlung für mich?
      Gruss
      Mötti

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