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Mötti    263

Am 4. Januar 1949 wurde im SHAB Nr. 2 auf Seite 14 folgendes publiziert:

Fr. Schreck, in S c h l i e r e n , Fabrikation gespleister Spezialitäten, insbesondere Angelruten Marke "Split-Record" und "Inlet".

Ob es die Split-Record wirklich gab, oder ob dies eine nicht umgesetzte Idee war, ist mir leider nicht bekannt. Zuerst meinte ich, die Marke wurde von Fritz Schreck für den Casting Sport genutzt, bei welchem er seine Eigenentwicklungen nicht nur selber mit grossem Erfolg einsetzte (siehe hier auf Seite 38 kleine Biographie und ein Foto beim Training http://www.schlieren.ch/dl.php/de/5791c38e1a124/Jahrheft_2012.pdf), sondern weit über die Landesgrenze hinaus verkaufte. Aber auch dort waren seine Ruten unter der Marke «Inlet» bekannt (siehe https://www.zobodat.at/pdf/Oesterreichs-Fischerei_7_0091-0093.pdf).

Diese Inlet Ruten und besonders die gespliessten Ruten von Fritz haben es mir sehr angetan. Weshalb man sich für überhaupt für alte Bambusruten begeistern kann wird einem grossen Teil von Euch vermutlich schleierhaft sein. Bei jenen die noch nie eine Gespliesste oder irgendeine schwabbelige Bambusgerte in den Händen gehabt haben kann ich das gut verstehen. Ja, die gibt es. Und sicher gibt es auch sehr schöne und teure Bambusruten denen das gewisse Etwas dem die Engländer «steely feeling» sagen fehlt. Man fühlt bei einer guten Bamubsrute den Schweiss und das Herzblut ihres Erbauers und ab und zu scheint es mir, dass diese Ruten eine Seele haben. Ob man mit einer alten Gespliessten noch heute angeln kann ist lediglich eine Frage des Zustands. Wenn die Verbindungen beim Trennen ein lautes Plop machen, die Bindungen und Ringe ohne Schäden und vorallem der Lack überall den Blank noch gut vor Wasser schützt, dann steht dem nichts im Weg. Spass macht es auf jeden Fall und für gewisse Einsatzgebiete haben gespliesste Ruten Vorteile. Das man dabei die Rute aber mit Respekt und Vorsicht handhabt und die allgemeinen Grundsätze für das Fischen mit Gespliessten befolgt ist selbstredend (etwas sehr detailiert hier unter Coarse ==> http://www.barder-rod.co.uk/coarse rods/coarse rods care and maintenance.aspx und Fly ==> http://www.barder-rod.co.uk/fly rods/fly rods care and maintenance.aspx).

Fritz Schreck hat seine Inlet Ruten für wohl fast alle Einsatzgebiete und Zielfische gebaut. Aber ein paar Dinge haben sie alle gemeinsam:

Sie sind schlicht und haben keine Zwischenwicklungen oder Verzierungen. Zweifarbige Bindungen an den Ringen sind das höchste der Gefühle. Bei den Gespliessten kommt so die eigene Schönheit des Bambus besonders gut zur Geltung.

Der Verwendungszweck steht immer im Vordergrund. Wo nötig wurde mehrfach gespliesst oder hohl gebaut, auch wenn es viel aufwändiger war. Wo nötig wurde ungleich geteilt, auch wenn es den Transport erschwerte und damit das Risiko für Beschädigung erhöhte.

Was an Know-how in den Ruten steckt, das wurde mit try and error ertüftelt. Fritz Schreck war kein Kopist sondern ein Selbermacher der ausser mit Charles Ritz auch keinen Austausch mit anderen Rutenbauern pflegte. Er soll auch einen grossen Teil der Werkzeuge selber gemacht haben.

Für die Blanks wurde nur sehr gute Ware verbaut. Dies gilt wohl nicht nur für die Gespliessten sondern auch für Glasfaser- und Carbonruten bei denen Sportex der Lieferant war. Bei den Ringen der Gepliessten bin ich mir da nicht ganz so sicher, ob man die als Top bezeichnen kann. Aber vermutlich hat Fritz damals nichts besseres bekommen. Ich hatte letztes Jahr einen kurzen Austausch mit einem Rutenbauer aus England der recht viel restauriert. Er meinte das die hart verchromten Ringe aus dieser Zeit schlicht nicht mit der Qualität der heutigen Ware zu vergleichen sind. Daher sollte man beim corse fishing mit altem Gerät mit Original-Beringung eine dehnungsfreudige (z.B. Maxima Chameleon) und keine vorgestreckte Schnur mit hoher Tragkraft und schon gar keine geflochtenen Schüre verwenden.

Was nicht alle Inlet Ruten gemeinsam haben, ist das schöne Eisvogel-Logo. Irgendwann wurde es durch ein Logo mit Landzunge und Sonne ersetzt. Mir scheint es fast, als habe der beauftragte Grafiker nicht ganz verstanden was ein Inlet ist. Auch scheint mir, dass sich Fritz darüber geärgert hat. Denn auf einigen Ruten wurde die Landzunge herausgeschnitten und das Logo in zwei Teilen aufgebracht. Noch später gab es dann noch ein goldenes Logo ohne Bild und nur dem Schriftzug «Fr. Schreck».

Aber es gab auch eine Zeit vor Inlet. Im Interview mit Reinhold Bruder und Dr. David Popp (Der Fliegenfischer, Heft 128, Sep/Okt 1997) erzählt Fritz Schreck wie er seine erste Rute gebaut hat und sie einem Freund ausgelehnt hat, welcher sie dann einem Händler aus Zürich zeigte. Dieser soll so begeistert gewesen sein, dass er mit Fritz einen Abnahmevertrag machte. Fritz Schreck hängte seinen Beruf als Coiffeur an den Nagel und baute gespliesste Blanks, der Handler machte dann die restlichen Arbeiten.

Ich konnte es mir bis jetzt zwar nicht bestätigen lassen, aber eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass es sich bei meiner letzten Anschaffung um eine solche Ur-Schreck Rute handelt. Der Blank sieht verdächtig ähnlich wie der meiner kurzen, leichten 1.80m Inlet Rute aus, welche ich bereits vorgestellt habe. Daher hier der Vergleich:

Auf dem Blank hat es kein Logo von Schreck, sondern ein goldiges «Fischerei- u. Sportartikel AG Zürich» mit einem Fisch.

Ur_Schreck1.thumb.JPG.05378acb4213279581340762205fb4c8.JPGUr_Schreck2.thumb.JPG.14193350c31c8302f8f1e0da0a7936fb.JPG

Der Blank ist im Gegensatz zur Inlet Rute gleichlang geteilt und das Spitzenteil ein wenig kürzer (Gesammtlänge 1.68m anstatt 1.80m). Wie auch bei der Inlet fühlt er sich sehr knackig an.

Ur_Schreck4.thumb.JPG.46d3697c5fd7f3b864d7319c0d56884c.JPGUr_Schreck5.thumb.JPG.a6b7c9e2036ad25b6d2dc442533bfdc6.JPG

Der Führungs- und der Spitzenring ist im Gegensatz zur Inlet Rute ohne Einlage, wobei letzterer eine ovale Öffnung hat. Die Anzahl Ringe ist vier und nicht fünf.

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Die Bindungen sind nicht wie bei der Inlet gold/schwarz sondern rot.

Eine Hakenöse ist im Gegensatz zur Inlet nicht angebracht.

Es hat keine Bezeichnung «L» für light, keine Zahl welche die Länge angibt, keinen Modellnamen, keine Gewichtsangabe und auch keinen Mass für die gefangenen Fische auf dem Blank. Alles Sachen, die bei den Inlet Ruten häufig mit Tinte angebracht wurden.

Die Hülsen sehen sehr ähnlich aus.

Ur_Schreck6.thumb.JPG.4405ca1310b625a54e37e3dce5157886.JPG

Der Korkgriff hat keine Abschlusskappe, ist ein wenig länger und im Gegensatz zur leichten Inlet einen Schraubrollenhalter.

Ur_Schreck7.thumb.JPG.f0f256a7dc95660394e24c2fb6134021.JPG

So, das war es für’s mal für den Anfang. Ich werde wohl von Zeit zu Zeit in diesem Jubiläums-Jahr noch etwas vorstellen. Leider gibt es ja keinen Schreck-Katalog, in dem man sich über die Fülle seines Schaffens ein Bild machen kann. Es würde mich deshalb auch sehr freuen, wenn auch andere Sammler und Fischer Lust und Musse haben eine Rute von Fritz Schreck zu porträtieren. Oder eine Anekdote zu notieren. Oder über ihren Einsatz von Inlet Ruten berichten. Es muss keine gespliesste Rute sein, es wurden auch mit neueren Materialien von Fritz Schreck fabelhafte Ruten gebaut.

Gruss

Mötti

bearbeitet von Mötti
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Lutra    109

 Ich habe auch noch so eine Rute zu Hause, jedoch als Deko. Sie ist sehr alt und ich trau mich nicht, damit zu fischen. Leider kann man den Namen nicht mehr lesen. Sie sieht der präsentierten zum verwechseln ähnlich, von dem her könnte es sich um eine Schreck Rute handeln. Jetzt wo ich ein paar Details mehr habe, kann ich sie mir noch einmal genauer anschauen.

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Guten Morgen Mötti

Sehr schöner Bericht über den lieben Fritz Schreck vielen Dank.  Das mit dem Jahr 1949 habe ich tatsächlich nicht gewusst. Ich selber fische fast ausschliesslich mit Bambus, darum nennt man mich am Rhein den Nostalgie Fischer. Normalerweise sind es Engländerinnen, die ich ans Wasser führe, da leider in der Schweiz nicht unbedingt Avon oder Carp Ruten gebaut wurden. Eine Schreck Lech besitze ich aber. Die wurde damals auf speziellen Kunden Wunsch gebaut. Sie hat zwei Spitzen und ist sehr stark. War wohl für das Schleppen in den Staustufen des Lech oder für das Huchenfischen gedacht. Eine Warnung möchte ich allerdings aussprechen, Fischen mit Gesplissten macht süchtig, also Vorsicht bei einem Versuch, die Schäden für den Geldbeute können verheerend sein.

Gruss

H.P.

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Mötti    263

@Lutra

Kannst gerne auch ein paar Fotos rein stellen, vielleicht lässt sich etwas dazu sagen. 

@Centrepinfan

Hoi H.P., schön das Du Dich meldest. Von der Lech hast Du mir ja schon mal etwas geschrieben. Ist sie für Dich ein Sammelobjekt oder nimmst Du sie für Schnabelhuchen? 

Gruss 

Mötti 

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AAA    51

Hallo,

auch ich bin einer, der sehr gerne mit alten Ruten angelt. Und auch ich habe eine "gespleisste" Rute. Hersteller unbekannt, aber die Rute ist uralt und ich habe Sie schon sanft restauriert mit Bootslack. Sie ist zusammen mit der Rekord Schweizer-Rolle jedes Jahr im Herbst im Einsatz, wenn ich auf Hecht im Elsass angle. Und das auch mit Erfolg, denn sobald ich einen Hecht mit der Rute gefangen habe, wird Sie feinsäuberlich wieder an Ihren Ehrenplatz in den Rutenständer gestellt.

Mich freut es immer wieder, wenn ich eine alte Rute oder Rolle bewundern kann, oder allenfalls von einem noch älteren Angler der aufhört mit seinem wohlgeliebten Hobby und ich sein " Prunkstück" von Rolle in meine Glasvitrine stellen kann. Oder seine Rute welche etliche Geschichten erzählen könnte, wenn Sie sprechen könnte,  in meinem Angelzimmer im Rutenständer Ihren wohlverdienter Ruhestand und als Ausstellungsobjekt erfreuen darf.

Da schauen meine neueren Angelobjekte fast neidisch hinüber...........

AAA wünscht allen ein Petri ...........

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Mötti    263

Schon wieder ist ein Monat vorbei. Eigentlich wollte ich als nächstes von einer Carbon INLET berichten, welche für das Felchenfischen gebaut wurde. Ich hatte eine Einladung für einmal tüchtig frieren auf dem Bielersee plus Steinpilz-Fondue zum wieder auftauen. Es hatte ein anderer Lieberhaber von altem Fischermaterial das Vorhaben mich von meiner Felchen-Pimper-Jungmännlichkeit zu erlösen. Da sagte ich sehr gerne zu und dachte ich könnte nachher etwas schreiben, so quasi ein Felchen-Dummy-Pimper-Bericht. Aber leider kam ein Sturm dazwischen und das Unternehmen musste deshalb auf ein anderes Mal vertagt werden. Daher jetzt etwas anderes.

Fritz Schreck war ja bekannter massen nicht nur Fischer und Rutenbauer, sondern auch begeisterter Caster. Zumindest sieht er in diesem Film von 1964 sehr begeistert aus.

https://www.youtube.com/watch?v=biTDCr4koTM

Ab 1:10 ist er in Aktion zu sehen, zumindest glaube ich ziemlich sicher ihn zu erkennen. Keine Ahnung ob dies nun eine guter Wurf oder ob das die Disziplin "Fliege weit" ist. Ich verstehe davon nicht mehr als vom Felchelen. Aber ich glaube auch Hansruedi Hebeisen in jungen Jahren zu erkennen (1:05) und das bringt mich zur nächsten INLET. Nämlich der gespliessten INLET 220 M „Hebeisen – Spezial“, welche neben der kurzen Spinnrute der «Fischerei- u. Sportartikel AG Zürich» (deren Herkunft aus der Werkstatt von Fritz Schreck ich mir in der Zwischenzeit bestätigen lassen konnte) von einer weiteren Zusammenarbeit zeugt. Die „Hebeisen – Spezial“ wurde mit gold-schwarz gebunden. Dies war ein recht häufiges Pattern bei den gespliessten Ruten von Schreck. Ob er selber oder seine Frau über die Farben entschied kann ich nicht sagen. Gesichert ist jedoch, das sie zumindest zeitweise die Wicklungen gemacht und die Futterale genäht hat.

Hebeisen_Spezial_1.thumb.JPG.db625f9313c79bb6538c5e098619c110.JPGHebeisen_Spezial_2.thumb.JPG.363670e34fd7e295a3ca9f53ec306fc5.JPG

Ich habe auch schon Bilder von einer INLET Carbon gesehen, welche mit Hebeisen - Spezial angeschrieben war. Wann welche genau gebaut wurde weiss ich nicht.

Ach ja, noch etwas. Ich habe ein Foto einer Split-Rekord, respektive des Transfer-Logo zugeschickt bekommen. Also hat Fritz tatsächlich unter dem Namen auch Ruten hergestellt.

Gruss

Mötti

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Mötti    263

Vor ziemlich langer Zeit fand ich im Netz einen kurzen Artikel aus einer östereichischen Fischerzeitung. In dem stand:

„Die Schweizerische Fischerei-Zeitung bringt im Februarheft 1958 eine Spezialbeilage über Ruten und Rollen, zu der namhafte Fachleute, wie Charles C. Ritz und Fritz Schreck, Beiträge lieferten. Es werden die Rutentypen besprochen und dem Anfänger Ratschläge erteilt, die Geräterprobung im Wurfsport wird behandelt und Grundsätzliches über Rollen verraten. Die wichtigsten Rollentypen werden im Bild gezeigt und kurz beschrieben.“

Nun, das war exakt was ich gerne lesen wollte. Origialtext von Fritz Schreck in Hochblüte der Gespliessten. Es war nicht ganz einfach an diese Spezialbeilage zu kommen. Da mir der Geschäftsführer des SVF die Veröffentlichung erlaubte, kann ich ihn hier rein stellen. Herzlichen Dank Philipp Sicher an dieser Stelle.

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Auch sonst ist diese Spezialbeilage sehr interessant. So schrieb z.B. ein H. Lorenz aus St.Gallen ein paar Seiten weiter hinten in einem Kapitel über Fliegenruten:

"Vergessen wir aber nicht, dass mit von den besten und erfolgreichsten Ruten für Spinn- und Fliegenfischer die Schweizermarke INLET tragen. Die INLET Säntis I und II (hart und mittel) sind unseren Verhältnissen ausgezeichnet angepasst. Sie haben parabolische Aktion." Also @zuma, dann ist das vieleicht doch nicht wie diskutiert analog dem MK I, MK II, usw. eine Kennzeichnung der Weiterentwicklung.

Zum Schluss noch etwas Werbung von Fritz. Das erwähnte Merkblatt wäre sicher auch spannend:

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Gruss

Mötti

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Clemens    2

Hallo,

@Mötti vielen Dank für Deine Mühe das hier in dieser Länge und Breite zu schreiben. Ich bin aus Österreich und ein sehr lieber Freund hat mir (wie großzügig!) eine gespleißte Inlet seines Großvaters überlassen, die mit "für E.K.K. in Wien" signiert ist. Dieser hieß Krall-Krallstein, ist eine österreichische Fliegenfischlegende, und der Link zu "Österreichs Fischerei" (der übrigens am Ende eine Klammer zuviel hat und deswegen nicht funktioniert) ist ein Artikel von eben diesem - und er führte eine Schreck, wie schön!

Die Ringe sind leider - Du hast es geschrieben - nicht sehr toll, und über die Jahre angelaufen. Ich will sie aber einmal am Wasser führen und überlege, wie ich weitertun soll mit ihr, heute nehme ich sie einmal zum Klejch und frage dort was sie meinen. Aber Deine/Eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren, und sehr gerne stelle ich Fotos ein, reiche ich nach.

Beste Grüße vom Clemens, der seine Fliegenfischerei hauptsächlich in den langsam fließenden Augewässern der Donau ausübt, von Laube bis Barbe

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Mötti    263

Hoi Clemens 

Das freut mich ausserordentlich, das sich erste Leser der eine lnlet besitzt sich an dem Thread beteiligt. Ja bitte, stell doch ein paar Fotos rein. 

Vorab dies zu Deiner Schreck:

Das wird kein häufiges Modell wie einen Reuss oder eine Säntis sein. Eher etwas nach Kundenwunsch. Vielleicht gar eine mehrfach Gespliesste. Zähle mal die einzelnen Spliesse im Blank, achte auf die Kraftfasern. Schau auch mal wie die Ringe angeordnet sind. Wenn der Abstand zum Spitzenring im Verhältnis zu kurz ist, dann gab es mal eine abgebroche Spitze. Das Spitzenteil als ganzes ist vermutlich länger als das Handteil. Dann schau noch mal den Blank ganz genau an. Wenn der keine Schäden hat, dann ist mit der Rute sicher etwas zu machen. Schau auch auf Schäden im Lack. Dort kann Feuchtigkeit eindringen. Generell war Fritz Schreck sehr sparsam mit Lack. Wenn die Ringe etwas angelaufen sind, dann ist das nicht schlimm. Die müssen deshalb nicht ersetzt werden. Das sollte mit polieren gehen. 

Ganz generell gibt es bei der Restaurierung zwei diametral unterschiedliche Ansätze. Wenn der Restaurator eine Liebe zum Werk als Ganzes hat und die Arbeit von Schreck bewundert und selber dessen Ruten sammelt, dann wird er keinen Finger rühren für etwas das nicht zwingend notwendig ist. Wenn der Restaurator das Potenzial in der Rute sieht und das beste aus ihr raus holen will, dann wird er alle Ringe runter nehmen, die Hülsen ersetzen und und und... 

Es gibt da nicht ein richtig oder falsch. Es ist eine Frage des Standpunkts. Die meisten meiner englischen Ruten sind nach dem Motto "besser als neu" und die schweizer Ruten nach dem Motto "bewahren, nicht zerstören" restauriert worden. Überlege dir einfach gut was Du willst, bevor Du die Rute zu einem Rutenbauer bringst. Und da Deine Rute einer berühmten Person gehörte, ist eine Erhaltung des original Zustands noch etwas mehr zu gewichten. Ich weiss nicht wie es in Österreich ist, aber wenn z. B. in England eine Gespliesste von einer berühmten Persönlichkeit auf den Markt kommt, dann hebt dieser Umstand ganz entscheidend den Preis. 

Gruss 

Mötti 

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Clemens    2

Servus Mötti,

Freude ganz meinerseits! Danke für Deine Ratschläge und Infos. Jetzt mit Bildern - 235 lang, die Teile 122 und 116, Ringabstände 13,5, 14,5, 17, 18,5, 21,5, 24, 26,5 und 29

Der Blank ist tadellos, aber ja der Lack hat stellenweise nachgelassen weswegen ich sie nicht zum Wasser mitnehmen will und nein, ein kompletter Neuaufbau steht mir gar nicht im Sinne. Ich hatte seinen Namen leider falsch geschrieben - Krall-Kralsberg; und er hat schon im "Der Deutsche Fischer", also vor 1945 publiziert. Ob diese Schreck auf jenem Foto ist lässt sich nicht gut erkennen, aber das ist er.

Was ist das für ein gewöhnungsbedürftiger Griff?

Bin ganz begeistert vor Deinem Wissen, vielen herzlichen Dank noch, bin gespannt was hier noch zu lesen sein wird. 

Beste Grüße Clemens

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Mötti    263

Hoi Clemens 

Das ist zuviel Lob. Ich bin nur ein von guten Gespliessten begeisterter Spinner und habe ein bisschen Recherche gemacht. Das Wissen liegt bei den Rutenbauern. 

Zu den Fotos:

Eindeutig eine Schreck. Sie wurde offenbar relativ viel gebraut, daher solltest Du den Sitz der Hülsen kontrollieren und schauen ob sie "klopfen" wenn Du die Rute zusammen gesteckt ein wenig auf und ab bewegt wird. Du solltest ein Plop hören, wenn Du sie wieder auseinander nimmst. Dabei nie, nie, nie die Teile drehen. Bambus mag kein verdrehen. Wenn es klemmt, nimm sie in die Kniekehlen, halt fest und drücke die Beine auseinander. Wenn Du abrutschen tust, nimm ein Teraband in die Hände. So geht es immer. 

Kontrolliere auch die Bindungen. Grün und rot ist eine häufige Kombination bei Fritz Schreck, respektive generell in dieser Zeit. Aber so hell habe ich noch keine gesehen. Eventuell ausgebleicht. Das Transfer Logo ist leider etwas beschäftigt, das mindert den Wert, aber nicht die Funktionalität. Es gab übrigens auch ein Wiener der das Kingfisher Logo verwendet hat,sieht aber anders aus. Der machte soviel ich weiss Rollen, aber es gibt auch Gespliesste mit diesem Eisvogel. 

Der Griff ist sehr speziell. Noch nie gesehen, auch der Rollenhalter ist nicht typisch für die Inlet. Macht ein solcher Griff Sinn bei einer Fliegenrute? Oder ist es gar keine, ist es vielleicht eine Rute für den Casting Sport? Ich weiss es nicht. Kurt, @zuma , Du kannst dem Clemens sicher noch etwas zu seiner Inlet sagen?

Gruss 

Mötti 

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zuma    84

Hallo Clemens

Hoi Mötti

Der Mötti hat schon sehr viele und präzise Angaben  gemacht - dem könnte ich kaum etwas hinzufügen. Auch ich gehe davon aus, dass die Rute oft benutzt wurde und dementsprechende Gebrauchsspuren hat. Darunter dürften auch die Farben der Wicklungen durch Ausbleichen gelitten haben. Aufgrund der einmaligen Geschichte, welche die Rute hat, würde ich diese im Originalzustand belassen. Die Geschichte zählt hier aus meiner Sicht am meisten! Die Rute selbst macht mir den Eindruck einer für den Castingsport entwickelten Gespliessten. Der Griff ist dafür eigentlich typisch, und zwar für "Fliege Ziel", will heissen dies ist eine Rute für Präzisionswürfe ist und nicht für Weite! Es ist auch keine Nervo (so heissen die Mehrfachgespliessten von Fritz), das sieht man auf den Bildern gut. Die Rute wird also ganz normal aus 6 Spleissen gebaut sein. Schön, dass dem Fritz seine Werke auch in Österreich geschätzt werden - trotz eigenen, sehr guten Rutenbauern!

Vielen Dank für's zeigen und beste Grüsse

Kurt

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      Hoi zämme
      Ich habe mir eine gespliesste Rute der Marke Inlet gekauft, welche ich mit meiner Staro Rolle von Ingenieur Glaser fischen möchte. Sie ist recht straff, 180cm lang und hat am ersten und letzen Ring ein Einlage. Ich vermute sie ist für Line Rating 4lb, wegen der Zahl neben der Längenangabe. Wie typisch für Fritz Schreck hat es noch einen Masstab auf der Rute, damit man den Fang gleich messen kann. Der Baumwoll-Sack scheint nicht orginal zu sein, da er kein Eisvogel drauf hat. Die Rute sieht auf den ersten Blick tadellos aus. Auf den zweiten habe ich dann aber doch einen kleinen Hick zwischen Griffstück und Hakenöse entdeckt. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob dort der Splitt etwas gesprungen ist. @zuma: Was meinst Du als Rutenbauer, da muss deshalb neu Lackiert werden damit kein Wasser eindringen kann, richtig? Das möchte ich nicht selber machen. Ich weiss dass Du schon einige Ruten von Fritz Schreck restauriert hast. Machst Du so etwas noch oder hast Du ein Empfehlung für mich?
      Gruss
      Mötti

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