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Gumpenkoenig    1'038

Weil im Thread "Fliegenfischen-Kurzberichte" ein Gedanken- und Erfahrungsaustausch zu Besatzmaßnahmen aufkam, mache ich hier mal einen neuen Thread auf.

@Forelle1958 die Original-Publikation zur Wutach ist nicht frei zugänglich, ein abstract findest du hier: Baer et al. 2010 . Ich könnte dir das PDF per mail schicken wenn du magst.

Eine Zusammenfassung dieser Arbeit inkl. Diagramm sowie auch generelle Empfehlungen gibts frei zugänglich: Bachforellenbesatz_eine_Empfehlung

Grundtenor ist: Wo eine Naturverlaichung stattfindet, ist Besatz nur rausgeschmissenes Geld!

bearbeitet von Gumpenkoenig
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Lutra    96

Von Bekannten, die einen Bach gepachtet haben, weis ich, dass Besatz nur Fischfutter ist. Auch bei den Kollegen konnte keine Besatzforelle in ausgewachsenem Zustand gefunden werden.

Entweder alle besetzten Fische hauen sofort ab und lassen sich nie mehr blicken oder dann die wahrscheinlichere Version, der Besatz wurde voll und ganz gefressen. Alle kontrollierten Fische waren ortsansässige, naturverlaichte Farios.

Wo keine Natur-Verlaichung stattfindet, da macht es natürlich eher Sinn trotzdem zu besetzen. Da sterben die Fische ja weg und werden immer weniger.

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Andreas    58

Mmn ist Besatz nicht sinnvoll, dass ein Gewässer einen kleinen Bestand hat hat seine Gründe.

Die wären mMn:

-mangelndes Futterangebot

-nur wenige, resp. Kaum oder nicht erreichbare Laichgründe

-als Lebensraum nicht attraktiv (begradigt,verbauen u.s.w)

Also mMn macht Besatz nur in intakten Gewässern mit riesigen Entnahmemengen Sinn. Die es mMn gar nicht mehr wirklich  gibt.

Vieleicht müsste man eher insekten besetzen anstatt Fische.

bearbeitet von Andreas
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Stefan    223

Bei meinem "Forellen-Hausbach" sieht es so aus:

In der Schüss (Kanton Bern) werden Sömmerlinge und Jährlinge besetzt, die in Bächen in der Umgebung aufgezogen werden. Die in den Bächen ausgesetzten Brütlinge stammen von ortsansässigen Forellen ab. Das Lustige ist jetzt halt, dass man bei Bachforellen, die man in der Schüss fängt, genetisch nicht feststellen kann, ob diese naturverlaicht sind oder nicht, da alle aus dem ortsansässigen Genpool abstammen. Man kann also nicht rausfinden, ob alle ausgesetzen Fische abgewandert sind, aufgefressen wurden oder überlebt haben.

Und wenn ihr von "aufgefressen" redet, meint ihr da mehrjährige Bach- und Regenbogenforellen aus der Zucht, die das Schonmass schon erreicht haben? Die bei uns in der Schüss sind zwar im Zugerglas (o.ä.) geschlüpft, aber in einer natürlichen Umgebung aufgewachsen und für den Überlebenskampf in der Schüss schon gewappnet.

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Gumpenkoenig    1'038

@Stefan was meinst du mit „gewappnet“? Wahrscheinlich dass sie bereits natürliche Nahrung fressen und die Strömung gewöhnt sind? Das mag sein, jedoch fehlt in einer Zucht ja die natürliche Selektion weshalb diese Forellen im Territorialverhalten den lokalen Fischen unterlegen sind. Was dann passiert konnten wir bei uns als Extremfall feststellen als vor Jahren einmal massige Saiblinge besetzt wurden: sie sind verhungert! Diese Fische bekamen einfach keinen Standplatz an dem entsprechendes Futter verfügbar war, denn durch ihre Grösse wurden sie von gleichgrossen Forellen als Konkurrenz vertrieben. 

Deshalb sollte der Besatz wenn überhaupt, dann mit möglichst jungen Fischen geschehen, sodass eine gewässerangepasste Selektion stattfindet. 

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Stefan    223

Die Brütlinge wachsen in einem ganz normalen Bach auf, nicht in einer Zucht. Sie werden dann elektrisch abgefischt und in die Schüss umgesiedelt ;)

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Gumpenkoenig    1'038

Ahhh okay. Interessantes Konzept, der eigentliche Brütlingsbesatz findet also in einem anderen Gewässer statt? Das verschiebt die Diskussion um Sinn oder Unsinn eigentlich nur... wäre einen Versuch wert in dem „Zuchtbach“ mal zwei Jahre den Brütlingsbesatz auszusetzen und zu schauen was passiert. Forellen sind von der Natur so ausgestattet, dass sie ein unglaubliches Übermass an Nachwuchs produzieren und deshalb selbst Gewässer ausreichend Naturverlaichung haben bei denen auf 95% der Strecke keine geeigneten  Bedingungen vorhanden sind. 

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Pesche    25

Ich weiss ansatzweise wie das bei uns in der Emme (mein Hausgewässer) läuft mit dem Forellenbesatz.

Jährlich werden in der Emme Laichfischfänge von Fischvereinen durchgeführt. Nach dem Schlupf werden die Larven bereits in kleine Zuflussbäche der Emme ausgesetzt. Im Herbst werden dann die Sömmerlinge und Jährlinge (mann erwischt ja nie alle Sömmerlinge) abgefischt und in beruhigten Zonen mit guten Versteckmöglichkeiten in die Emme zurückgesetzt. Es hat auch grössere Exemplare von Bafo's in den Aufzuchtbächen, diese entnimmt man bewusst nicht, um so das gejagt werden auch vermittelt wird ;).

Somit kann meiner Meinung nach niemand wirklich sagen was nun in der Emme naturverlaicht ist und was nicht. Weis jedoch auch nicht ob dieser "Stress" durch zweimaliges Habitatwechsel den Jungen Bafo's so gut bekommt.

Hannes ich glaube auch, dass in unseren Gewässern genug Naturverlaichungen gibt. Habe letzten Sommer beim Baden in der Emme sehr viele Sömmerlinge gesehen und war echt erstaunt. Konnte dieses Jahr Ende April an der selben Stelle wieder diesjährigen Nachwuchs in grosser Zahl sehen. Und dort wird ganz sicher nichts besetzt!

Leider ist die Sterberate zu hoch.....Gründe gibt es viele ist aber nicht das Thema hier. 

Gruess Pesche

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Gumpenkoenig    1'038

@Pesche diese Art der Aufzucht mit lokalen Fischen in Zuflüssen ist sicher die beste Art von Besatz die man sich vorstellen kann, und von anderen Fischern weiss ich dass das vielerorts in der Schweiz so gemacht wird, da habt ihr uns Deutschen Fischern einiges voraus!

Es zeigt sich in den Studien der letzten Jahre jedoch immer stärker dass die Naturverlaichung der Bachforelle viel öfter funktioniert als man es für möglich gehalten hätte, die Bachforelle ist einfach perfekt an unsere Breitengrade angepasst, es gibt sie bei uns bis in den letzten kleinen Wassergraben... 

Insofern kann man sich natürlich fragen ob die von dir beschriebene Besatzmethode vielleicht nicht nötig wäre?

Schaden wird sie wohl wenig anrichten, allenfalls dass durch das Umsetzen für kurze Zeit der Frassdruck auf Kleinfische und Insekten erhöht wird. 

bearbeitet von Gumpenkoenig
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tom66    42

Habe in der Emme schon lange weder Sömmerlinge noch überhaupt Forellen gesehen, bin auch kein Emmefischero:). Ist für mich eines der am schwierigsten zu befischenden Gewässer im Kt. Bern. Sei es mit Kunstköder oder halt mal mit einem Naturköder, meine Erfolge sehen immer gleich aus, Zero.

LG

Tom

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Forelle1958    400

Ein sehr interessantes Thema und grundsätzlich ist es wenig erstaunlich, dass die Meinungen dabei komplett verschieden sind. Klar ist für mich nur ein Punkt; wenn die Naturverlaichung klappt braucht es keinen Besatz. Um Gewissheit zu erlangen ob das so ist braucht es eine genaue Beobachtung des Gewässers. Dazu gehören die Laichgruben und deren Grösse , die Alterspyramiden (wieviele Forellen in welcher Grösse sind vorhanden), das Futterangebot und ganz besonders die Gewässerstruktur.  

Ein Monitoring, das heisst elektrisch abfischen auf definierten Abschnitten kann dabei sehr hilf- und aufschlussreich sein. Für diese Lösung haben wir uns für einen Minibach in dem ich Mitpächter bin entschieden und verzichten dort bis auf weiteres auf einen Besatz mit der Brut, da wir in diesem Kleinstgewässer mit einer durchschnittlichen Breite von 1.2 Meter zahlreiche Forellen in jeder Grösse, d.h. von der Brut bis rund 55cm beobachten konnten. 

In einem anderen nur wenige Kilometer entfernten geliebten Pachtgewässer ist die Situation komplett anders. Dort haben wir die lose und teilweise meterhoche Gesteinsart Nagelfluh, welche bei Winterhochwassern oft sämtliche Laichgruben komplett vernichtet. Der Besatz mir der Brut im Frühjahr, hilft uns dort nachweislich einen minimalen Bestand von einem Jahrgang zu erhalten.

Ein weiterer Aspekt ist die Unterstützung von Bächen mit einem grösseren Befischungsdruck durch Besatz von Forellen aus nahe gelegenen Aufzuchtbächen. Das funktioniert nach meiner Ansicht in einem Verein in den Berner  Alpen bei dem ich Mitglied bin bestens. Dazu gibt es auch klar definierte Jahresfangzahlen und Fangfenster. 

Da ich oft und gerne an anderen Gewässern von Süd- bis Norddeutschland unterwegs bin, könnte ich die gewässerspezifischen Unterschiede die für oder gegen einen Besatz sprechen unendlich verlängern. 

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rolandus    29
Am 13.6.2018 um 15:33 schrieb tom66:

Habe in der Emme schon lange weder Sömmerlinge noch überhaupt Forellen gesehen, bin auch kein Emmefischero:). Ist für mich eines der am schwierigsten zu befischenden Gewässer im Kt. Bern. Sei es mit Kunstköder oder halt mal mit einem Naturköder, meine Erfolge sehen immer gleich aus, Zero.

LG

Tom

Und ich dachte schon, ich sei einfach der totale Oberanfänger, weil ich die paar wenigen Male an der Emme in den letzten Jahren keine einzige Massforelle fangen konnte.
Ich bin an der Emme aufgewachsen (in Burgdorf) und da konnte man selbst aus super Anfänger und Jungfischer hie und da eine Forelle (z.B. mit Mepps) überlisten.
Auch sah man oft und fast jeden Abend, egal wann man ging am Abend die Forellen springen.
Ich weiss es nicht, aber ich vermute, man hatte damals einfach auch Massforellen ausgesetzt. Ich wuchs in Burgdorf an einem Zuchtbach auf und habe oft Zugeschaut, wie die Leute der Zuchtstation Burgdorf (Heimiswilstrasse) dort im Herbst abfischten für den Laichfischfang.
Vielleicht ist es einfach normal, dass es in solchen Gewässern nur wenige grosse Forellen gibt und man war früher im 20 Jh. einfach verwöhnt als Fischer.
Ich fänds spannend, wenn man einmal in langen Streckenabschnitten für ein paar Jahre das Fischen verbieten würde, und parallel dazu auch nicht mehr besetzen würde (auch nicht in den Nebenbächen).
Dann mit einem Monitoring schauen, wie sich die Sache so nach sagen wir 5 Jahren verhält. Das könnte man z.B. auch in der oberen Sense und Schwarzwasser machen.
Klar fänden das viele Fischer schei..., besonders diejenigen, die in der Nähe wohnen. Aber das Aeschen Moratorium hatten wir auch überlebt.

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