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Gumpenkoenig    1'038

@grischafario und @barsch horst das waren wirklich ein paar super Angeltage mit euch! Danke für den schönen Besuch und den herrlichen Bericht voller Wortspiele... Albtraum :joy:! Werde heute abend mal endlich meine Fotos sortieren, dann kann ich auch noch etwas beisteuern und sie euch auch zuschicken.

Ich hoffe auch, dass wir uns demnächst nochmal in einem anderen Rahmen treffen, beim Angeln bin ich einfach ein Psycho, voll konzentriert, immer auf der Suche nach dem Fisch. Die Fliegenschnur sieht nicht nur aus wie ein Kabel, ich bin da auch gefühlt immer unter Strom. Von wegen "Angeln ist total entspannend"... Es ist herrlich, keine Frage, und am liebsten würde ich jeden Tag fischen gehen 24/7 aber es ist auch kräftezehrend. Muss demnächst unbedingt mal nen gemütlichen Aal-Ansitz machen :joy::joy::joy:

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Seki    73

Wundervoll! Du solltest wirklich öfter schreiben - das sage ich als jemand vom Fach! :)

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Forelle1958    400

Mit etwas Verspätung (obwohl ich kein Berner bin :joy:), habe ich diesen Bericht in vollen Zügen inhaliert wie eine fette alte Bachforelle die Trockenfliege.

Gratulation und ein grosses Kompliment zu diesem ausführlichen, eindrucksvollen Bericht und den bildlichen Schilderungen von euren drei Tagen mit der Fliegenrute im grossen Kanton. Die Pics dazu sind auch grosses Kino:strong:

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WASABI    845

:strong: @barsch horst hab nun endlich den Bericht in aller ruhe, am grossen Bildschirm und Lesebrille :blind: gelesen. Beim Barschhorst muss man sich einfach Zeit nehmen um den Text geniessen zu können. Ein überfliegen und nur Fotos schauen geht nicht. Danke wieder einmaöl das du dir die mühe genommen hast uns zu unterhalten und das Fliegenfischen wieder schmackhaft zu machen.

Bravo Rolf, grosses Kino :sunglasses:

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barsch horst    210

Mit der Fliege in Klausur

Freitagnachmittag, die Arbeit ist aus. Der Berg ruft. Ich habe was vor, nämlich Fliegenfischen auf Forelle, alleine. Nach rund einem Jahr Wurfpraxis, rumbasteln an der Ausrüstung und Erfahrungen in verschiedenen Gewässern, will ich in die sprudelnden Bäche unserer Highlands. Ich habe grossen Respekt davor, diese Gewässer mit der Fliege zu beangeln. Wenig Raum, viel Strömung, steiles Gelände, fragile Ökosysteme und scheue Fische sind Stichworte. Entsprechend erachte ich die Möglichkeit enttäuscht zu werden gross. So schraube ich im Vorfeld meines Vorhabens die Erwartungen runter und hole bei passionierten Forellenjägern Tipps ein, damit ich zumindest technisch vorbereitet bin. 

Was folgen sollte, entsprach dann nicht den skizzierten Erwartungen...

Gegen vier Uhr abends fahre ich mit dem Auto über den Hauptfluss im Tal. Das Wasser ist stark angetrübt von den gewittrigen Niederschlägen der letzten 24h. Einzig die kleineren Seitengewässer bringen klares Wasser ein. Somit beschliesse ich eine Mischwasserzone aufzusuchen. Am Wasser orientiere ich mich und verschaffe mir ein Bild über Wassertiefe, Lage der grossen Steine in den tieferen Zügen, Wind, Strömung usw. Anschliessend setze ich mich ans Ufer und beginne zu knoten. Das gezogene Vorfach wird auf der dicken Seite eingekürzt, eine Nymphe an eine Vorfachspitze geknotet und als «Bissanzeiger» kommt, einen guten halben Meter oberhalb, eine buschige Trockene an einen kurzen Seitenarm. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich die Montage mit Springer sauber geknotet habe und ready bin für den ersten Wurf.

Stelle1.JPG.d2e94df0730bb188affbe54b4c94af97.JPG

Ich erhebe mich von den Steinen, positioniere mich so, dass ich mit meinen Wurfskills die ausgemachten Unterstände überwerfen kann und wedle erstmal etwas leer. Dann lege ich die Line zu stark in die Hauptströmung, die Köder treiben an den grossen Steinen vorbei. Bereits der zweite Wurf gelingt besser, die Nymphe sinkt ab, treibt über ein paar Steine am Grund des Zuges und Zack, ein Ruck geht durch die Schnur, ich hebe die Rute, der Fisch hängt. Mir geht alles zu schnell, mein Herz klopft aber der #4-Schwabelstock macht seine Arbeit gut, puffert die Fluchtversuche souverän und gemeinsam ziehen wir den Fisch über den Kescher. Die Forelle wird irgendwo an der Grenze zum Schonmass gewesen sein, ich habe sie nicht gemessen, sie schwimmt wieder. Noch schreibe ich diesen Fisch dem Zufall zu...

Fisch1.JPG.0d5aca1df54220daadcdadcf2bdd1f30.JPG

Die «scheuen» Forellen sind heute arg ausgelassen. In der nächsten Stunde werde ich zwei Bisse nicht verwerten können, eine im Drill verlieren und zwei weitere Fische in den Kescher führen. Der Bock des Tages bringt mich, durch eine vehemente Attacke der Trockenfliege, fast an den Rande eines Herzstillstandes (Sorry das verwackelte Handybild). Nach einer guten Stunde höre ich auf, setze mich hin, denke über das Erlebte nach, grinse, danke, rauche. 

Bock.jpg.d8b61d1d73a52b892b30c992587dc5da.jpg

Abends dann, vor dem Hüttchen auf ca. 1000müM, trinke ich Bier und schaue den Schwalben beim Tanzen zu. Gedanklich arbeite ich daran, die Erwartungen an den nächsten Tag runter zu brechen. Mein Plan ist die Begehung eines steilen Montag-Mittwoch-Samstag-Gewässers. Ich kann kaum einschlafen, denn schliesse ich die Augen, sehe ich eine orange Fliegenschnur vor meinem inneren Auge enge Schleifen ziehen...

Wer braucht schon einen Wecker, wenn man fischen geht? Kaffee, Zähneputzen, raus. Es ist noch fast dunkel. Während ich das Tal hinauffahre, sehe ich am Strassenrand einzelne Fischer ihre Ausrüstungen vorbereiten. Hoffentlich bin ich an dem heute gewählten Teilstück alleine unterwegs.

Ab in die Watkleidung und los... Da geht’s hoch:

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...und das treffe ich dann an:

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Das fischen hier ist ein Herumgetänzle und -geklettere. Oft kann der Standort für die Würfe kaum gewählt werden. Ich wedle auf engem Raum den Köder irgendwie halbwegs brauchbar und aus grösstmöglicher Deckung in die Pools. Dabei mache ich drei wichtige Erkenntnisse und leite daraus folgendes Mantra ab.

«Vertrau deinen Skills, Fische mit Achtung und gründlich»

1.     Stil ist sekundär. Vergiss den Wurfkurs, wirf intuitiv. Wedle den Köder irgendwie an der Botanik und dem Gelände vorbei. Er muss einfach so ins Wasser, dass die Schnur nicht gleich von der Strömung weggetragen wird.

2.     Sei bereit. Bisse auf die Trockene kommen oft unmittelbar nach dem Aufsetzen.

3.     Fische gründlich und mit Ruhe. Bisse auf die Nymphe lassen zT. auf sich warten. Man darf die Pools ausgiebig befischen. Auch der fünfte Wurf kann noch einen Biss bringen. Mache jeden Wurf mehrmals, verbessere ihn Versuch für Versuch. Schenke bei jedem Versuch einem einzelnen Faktor extra Beachtung.

Alles wird eins, Ruhe kehrt ein und die Fische beissen.

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Viel zu schnell erreiche ich eine Hochebene, wo der Bach durch grosse Schwellen verbaut ist. Das mag ich nicht und steige ab. Beim Wagen angekommen tausche ich mich dann mit andern Anglern aus. Sie sind auch der Meinung, dass die Forellen die Tage ein aussergewöhnliches Beissverhalten an den Tag legen. Wahrscheinlich sind die gestiegenen Wassermengen und der Kälteeinbruch Trigger für die Fische, welche zum Fressen animieren. Dann gibt’s erstmal Kaffee und Scheisshaus im Dorfspunten. Was für ein Millieuwechsel. Sozusagen vom Gumpen zum Stumpen...

Kurz vor Mittag steige ich knapp oberhalb des Dorfes erneut in den Bach. Motiviert aber ohne grossen Ehrgeiz. Ich habe gestern und heute bereits soviele Fische gehakt, wie ich mir nie erträumt hätte. Und genau hier setzen die Fische heute noch einen drauf, indem sie vermehrt auf die Trockene knallen.

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Alles, was ich über das Abhängigkeitspotenzial einzelner Drogen weiss, wird postwendend an die Wand gefahren. Dieser Kick hier ist unbeschreiblich. Selbst im grossen Lärm eines Gebirgsbaches hört man den «Schlutz» raus, wenn sich eine Forelle die Trockene reinschlürft. Gepaart mit den optischen Reizen eines aufsteigenden Fisches und einer sich anschliessend streckenden Line hat das echt Potenzial. Wie getrieben fische ich mich in den Zuckersturz, immer weiter, von Stelle zu Stelle. Dass ich vielleicht mal etwas essen sollte, merke ich daran, dass ich vermehrt Probleme mit der Botanik kriege und mit zittrigen Fingern neu Knoten müsste. Ich steige aus dem Bach und esse was.

Nach dem Essen fahre ich das Tal raus und setze spontan nochmal den Blinker. Nur noch ein paar Würfe... Wieder vergesse ich mich. Fische mich Bergwärts von Pool zu Pool. Die Fische beissen. Der frisch angejunkte an der Gerte, vergisst abermals alles um sich herum, zB. dass er zuhause Familie hat und noch die Wochenendeinkäufe tätigen sollte.

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Das Telefon holt mich zurück in die Realität. Zum Glück, denn ich sah es schon Nacht werden... und wie ich langsam verfilze, sich mein Blick nach innen zu richten beginnt, ich meinen Namen vergesse, wie ich bärtig und asozial werden könnte mit dieser blöden Gerte in den Fingern.

Nach dieser Session hat meine Schnur etwas Dressing verdient. Mit breitem Grinsen reinige ich meine Ausrüstung, verstaue sie im Wagen, stecke mir eine Zigarette zwischen die Lippen, drehe das Zündschloss und rolle los. 

Bonne Lecture an alle und tight lines.

P.S: Sorry für die Bildqualität 

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nemo    154

Sehr stimmig geschrieben! Danke für's Teilhaben. Kenne die von Dir fotografierten Strecken gut ;) habe auch schon solche aber auch zähe Tage erlebt dort. Dein Bericht gibt Motivation für einen Besuch dieser Gewässer vor Saisonende... :)

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barsch horst    210
Am 28.8.2018 um 18:23 schrieb nemo:

Sehr stimmig geschrieben! Danke für's Teilhaben. Kenne die von Dir fotografierten Strecken gut ;) habe auch schon solche aber auch zähe Tage erlebt dort. Dein Bericht gibt Motivation für einen Besuch dieser Gewässer vor Saisonende... :)

Mist, so war das nicht gemeint... dachte, ich könne Bild & Text wählen, ohne zuviel Preis zu geben. Sind aber auch nicht wirklich Secret-Spots. 

Wünsche dir jedenfalls viel "Schlutz".

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