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Mötti

Kreta (Südküste)

Empfohlene Beiträge

Mötti    419

12.10.2017

Ich mach mich auf zum Vorabend Check-in in Kloten, wo ich mich zuerst mal mit dem Automaten abmühe, der meine Buchungsnummer nicht kennt und meine ID nicht einlesen will. Ich mag die Dinger überhaupt nicht. Automaten und Roboter sollen uns doch das Leben erleichtern. Nicht die Bohne. Sie vernichten Jobs und nerven. Irgendwann kann ich dann jemand auftreiben, der das Ding soweit bringt das Check-in abzuwickeln und ich kann zum Gepäckschalter gehen.

Dort gebe ich je einem Koffer für meine Kinder, meine Frau und mich selbst, sowie eine Bazooka ab. Ich sage dem Schalterangestellten, dass in der Bazooka eine Angelrute sei und solche bei Edelweiss für Flüge nach Kreta frei sind.

Er verneint, dies habe er nicht so im System. Dies sei nur bei Flügen nach Kanada der Fall. Ansonsten könne man anstatt des Freigepäcks eine Angelrute aufgeben.

Ich erklärte ihm, dass dem nicht so ist und dass ich extra deswegen bei Edelweiss gebucht habe, dass dies bei der Buchung im Internet ersichtlich war und dass es auch diese Woche noch im Internet auf der Seite von Edelweiss so aufgeführt wird.

Er meint er wolle dies mit dem Supervisor besprechen und bittet mich zu warten. Dann kommt er zurück und wiederholt nochmals das Gleiche.

Mir platzt langsam der Kragen und ich wiederhole, dass ich extra bei seiner Airline gebucht habe und dass ich keinen Franken für etwas zahle, was bei der Buchung bereits bezahlt wurde.

Er entgegnet, er arbeite nicht für Edelweiss.

Ich bitte ihn im Internet auf der Seite von Edelweiss sich das selber anzuschauen.

Er entgegnete er habe kein Internet. Ich solle doch bei Ihm das andere Gepäck aufgeben und mit dem Supervisor reden.

Das mache ich und gehe zu den beiden Damen der Supervision und schildere mein Anliegen. Diese bestätigen die Aussage des Schalterangestellten, dass die Angelrute nicht frei sei. Aber sie lassen sich darauf ein, selber die Homepage der Edelweiss zu konsultieren und sehen meine Aussage bestätigt. Sie meinen, sie seien nicht verpflichtet gewesen dies zu machen, seien aber neugierig gewesen. Nun lassen Sie mich die Rute schliesslich doch kostenlos aufgeben.

Daheim fasse ich eine Beschwerde an die Edelweiss ab und hoffte auf problemloses Check-In beim Rückflug.

13.10.2017

Der Flug nach Heraklion verläuft soweit gut. Dass es mit den vorbestellten Kindermenus nicht auf Anhieb klappt erstaunte mich nicht weiter. Eher dass es doch noch zwei solche für kleine «Notfälle» in Reserve gibt. Ärger macht dann dafür der Taxifahrer, welcher wegen der Länge der Bazooka ein Theater machen will. Ich bin nah dran alles wieder selber aus dem Kofferraum raus zu räumen, da klinkt er sich wieder ein und entschuldigt sich auch nach der kurzen Fahrt zum Hotel für sein Verhalten. Ich nehme sie an. Das Ende Saison nach hunderten und tausenden von teilweise nicht ganz einfachen Gästen die Reizschwelle tiefer liegt kann ich schon verstehen.

14.10.2017

Nach einem kurzen Zmorgen nehme ich den Bus zum Autoverleih. Dort hat man Mühe den reservierten Wagen zur Verfügung zu stellen. Ich wollte eigentlich ein Familienauto, das genügend Platz für Gepäck inklusive Rute hat und doch nicht zu sperrig für kleine Gässchen und unproblematisch auf Schotterpisten ist. So was wie ein Renault Kangoo oder ähnlich. Es wurde dann halt eine Stufe grösser, geht wohl unter Mini-Van. Wobei ich Mini sehr untertrieben finde. Na ja, das geht schon. Auch die Sprüche von Frau und Kinder als sie den Wagen sehen nehme ich gelassen hin. Eigentlich fahre ich noch recht gerne mit solchen Fahrzeugen rum. Die Fahrt quer durch die Insel in den Süden geht gut und auch mit dem Bezug der Unterkunft klappt es. Dann geht es ein erstes Mal an den Strand. Nein, nicht zum Angeln. Einfach zum Baden. Es ist ja ein Familienurlaub und keine Fischerwoche. Sprich Papa spart sich sein Vergnügen in der Früh vom Schlaf ab, während der Rest noch in den Federn liegt. Aber da mir die Dämmerung eh am liebsten ist, kommt mir das ganz gelegen. Als dann irgendwann nach dem Duschen und Znacht die Kleinen in den Betten sind, will ich mein Kram vorbereiten. Hier gibt es dann Probleme mit meinen Fertigkeiten. Ich hatte mir als Verbindungsknoten Hauptschnur zum Vorfach den FG-Knot ausgedruckt und um den starken Snap ans Vorfach zu binden den Palomar-Knoten. Irgendwie wollten beide nichts werden und ich werde langsam zu müde. Dann schlaf ich halt nochmals aus, ist ja ein Familienurlaub.

15.10.2017

Nach einem Tag an einem anderen Strand und einem Znacht in einer anderen Taverne nehme ich mir wieder Zeit die Knoten zu üben. Den Palomar habe ich verworfen und mich für eine Katzenpfote (Dynacrown) entschieden. Die geht und macht auch einen genügend guten Eindruck. Beim FG-Knot bin ich nicht so sicher und entscheide mich dann doch lieber für den verbesserten Albright. Somit ist die Rute bereit. Die Tasche mit den Ködern wird mit Poppers und Stickbaits plus ein Slow-Jig gefüllt. Dann bekomme ich noch ein paar ermahnende Worte von meiner Liebsten zu hören, weil ich a) meinen Spot nicht genau rekognosziert hatte und b) bereits im Dunklen mit Stirnlampe raus will und c) dort auf den Klippen rumturnen wolle. Ganz geschweige vom d) wie defekten Fuss, der immer noch nicht wirklich gut ist. Ich hörte das alles gar nicht gerne. Insbesondere weil sie natürlich mit allem recht hat.

16.10.2017

Ich stapfe über den Felsen und stehe plötzlich vor einem gähnenden Abgrund. Weit unten brandet das Meer und der Wind pfeift. Hier geht nichts, ich muss zurück auf den Hauptweg und es etwas weiter zurück versuchen. Langsam setzt die Dämmerung ein und ich finde einen brauchbaren Spot. Der Fels geht hier bei einer kleinen, spaltartigen Bucht auf der Seite langsam bis ans Wasser weiter runter. Hier kann ich auswerfen und im Fall der Fälle auch einen Fisch landen. Der Stein ist sehr aufgeraut und gibt auch an den nassen Stellen guten Halt. Ich montiere einen Stickbait und sehr schnell wird mir klar, dass Jon recht hatte, als ich mich mit ihm im Vorfeld über die Köder ausgetauscht hatte. Mit dieser Rute wird nichts mit Jigs, auch nicht mit Slow Jigs. Dafür ist die TB Autan für die Stickbaits wirklich toll. Auch die Daiwa BG 5000 macht einen guten Eindruck. Vom ersten Stickbait bin ich weniger begeistert. Ich mach einen anderen, einen Captain Hook Special Edition mir rosa Rücken und silbrigem Bauch an den Snap. Der gefällt mir besser. Aber weit und breit ist kein Fisch in Sicht, der meine Meinung teilt. Geschweige mein Zielfisch. Eine Goldmakrele steht auf meiner Wunschliste. Soll es hier geben. Auch der Berufsfischer den ich gestern in der Taverne traf hat es bestätigt. Langsam wird die Insel vor mir von der Sonne bestrahlt. Ich mach noch ein paar Würfe, schau auf die Uhr und räume zusammen. Zeit für Zmorgen. Insbesondere auf den griechischen Kaffee mit viel Zucker freu ich mich.

Nach dem Essen gibt’s den obligaten langen Ausflug an einen Strand, mit schwimmen, plantschen, Uno Spielen und irgendwann leih ich mir die Taucherbrille meiner Frau aus und bin begeistert von dem was ich sehe. Ich hätte nicht gedacht, dass ich überhaupt etwas sehe ohne korrigierte Gläser auf der Nase. Wie die Fische heissen die ich sehe, kann ich nicht sagen. Ein Teil davon ist wirklich sehr schön.

17.10.2017

Ich bin wieder am gleichen Spot und werfe den gleichen Köder aus. Mache eine kurze Pause, zieh wieder mit Twitchs Leine ein und … Biss, hängt gut und gibt ordentlich Druck. Die Bremse ist satt eingestellt, der Fisch kriegt keinen Zentimeter. Dann will ich ihn doch mal müde machen und ihn flüchten lassen. Ich mach die Bremse auf und der Fisch geht steil runter. Mann, bin ich blöd. Der macht mir an den scharfen Felskanten die Schnur kaputt. Schnell die Bremse wieder zu und dann rein mit ihm so schnell es geht. Als ich den Fisch dann sehe bin ich erstaunt. Der ist nicht wirklich gross, gibt aber schön Guzzi und ist an der meiner Rute die für die wirklich starken Fische ausgelegt ist nicht einfach so, mir nichts, dir nichts wie ein Weissfisch ein zu kurbeln. Der hat schon Kraft. Nach dem ich ihn gelandet und versorgt habe schau ich ihn etwas genauer an. Dunkelgelbe Linie über den ganzen Körber und dunkle Kriegsbemalung wie ein Schmiss schräg übers Auge. Das könnte diesmal einer sein…Majatiko.thumb.JPG.e825b2c46c5eb5e3dd9bb1a345297095.JPG
Es bleibt bei diesem Fisch. Zurück bei meinen drei Frauen, wollen diese wissen was ich da mitgebracht habe. Eventuell ein Amber Jack. – Ist der gut. – Ja, der soll gut sein. – Der Beste? – Na ja, was weiss ich. Aber es ist mir schon klar woher die Frage stammt. Letztes Jahr auf dem Festland gab es eine Pferdemakrele, welche in der Taverne von der Wirtin für einen Majatiko gehalten. Das seien die Besten.

Wir wollen es wieder gleich machen und den Fisch zum Abendessen in eine Taverne bringen. Auf dem Weg zum Strand schau ich bei einer rein und melde uns sowie unseren Spezialwunsch an. Etwas weiter sehe ich dann in einem Schaufenster ein Poster «Fish of Greece». Ja, oben links ist meiner. Gleiche Färbung, gleiche Finne. Jetzt bin ich mir sicher. Als wir dann am Abend in die Taverne kommen brennt bereits ein schönes Feuer in der Grillstelle. Das Tischtuch ist zwar fettig, ebenso wie die Salatsauce und die Hacktätschli für die Kids etwas dunkel (was diese nicht weiter stört), aber einen Fisch grillieren bringt der Wirt ohne Probleme hin. Er schmeckt sehr gut, hat festes Fleisch und ist dennoch saftig. Der Chef meint ich habe schon recht, es sei ein Majatiko. Mit dem Fisch sei es so, dass er am ersten Tag für auf den Grill sehr gut sei, am zweiten Tag aber besser in einer Sauce gekocht werde.

18.10.2017

Heute gibt es einen Ausflug und dem entsprechend eine Angelpause. Wir laufen durch eine tolle Schlucht an eine schöne Bucht.

Am Abend fragt mich meine Liebste, ob denn das Fischen am Meer nicht viel schöner sei als am See. Ich gebe ihr recht. Insbesondere die Kraft der Naturgewallt, die Brandung auf dem Fels, das Salz in der Luft… Ich mag das Seefischen sehr, aber Küstenangeln ist schon noch eine Klasse toller.

19.10.2017

Wieder steh ich am Morgen früh am gleichen Spot. Ich versuche es zwischen durch mal mit Popper. Aber es bleibt beim Versuchen und es gibt keinen Biss.

Oberhalb_vom_Spot.thumb.JPG.2daaf3794b231f1fea7ab3fd651e457f.JPG

20.10.2017

Auch am letzten Morgen mit der Rute am Meer ist nicht los. Ich versuche mich wieder vergeblich mit Stickbaits. Mein ursprüngliches Vorhaben auch mal eine Ballonmontage raus treiben zu lassen habe ich nicht umgesetzt. Ich hatte einfach keine Lust lange wegen frischen Sardinen oder Tintenfischen lang die Läden abzuklappern und auf die Schnelle hatte ich nur tiefgekühlte Ware gesehen.

21.10.2017

Am Rückreisetag klappt das meiste recht gut. Etwas länger dauert wieder der Check-In des Rutenrohrs. Sprich das griechische Bodenpersonal weiss zwar auch von nichts, dass dieses bei Edelweiss gratis sein soll. Aber man spricht kurz mit der Kollegin, zuckt mit der Schulter und meint der Kunde werde wohl schon recht haben. Wieso auch kompliziert, wenn es nicht sein muss.

Mit einem Dorado wurde leider nichts. Aber ich will nicht klagen, denn auch ein totales Abschneidern hätte mich nicht überrascht. Nur frage ich mich, was denn übernächstes Jahr werden soll, wenn ich mal etwas mehr Ferien habe und auch mal eine tolle Woche reine Fischerferien drin liegen sollte. Da gibt’s doch dieses Mauritius, wo es grosse Fische haben soll. Aber das ist schon sehr weit weg. Aber auch bei Malta sollen doch die Goldmakrelen im Herbst durchziehen. Oder doch eher Kroatien? Aber dann wohl mit einem Boot raus, aber nicht mit irgend einem Touristen Nepper. Na ja, geht noch eine Weile.

Gruss

Mötti

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Rouven    298

Schöner Bericht. So ausführlich geschrieben (hat ja sicher stunden gedauert). Im Gegensatz zu mir konntest du einen "grossen" Fisch vom Ufer fangen

Petri

Rouven

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AAA    55

Hallo Kreta Berichteschreiber,

das ist ein sehr schöner Reise- Realitätsbericht. Und genau wegen solchen Typen die solche Berichte schreiben bin ich eigentlich im Forum. Bravo!!

Ich bin mir sicher, dass früher oder später auch solche Reise- Erlebnisberichte von mir in diesem Forum stehen. ( Blos wie ich die Bilder hineinwürge weiss ich noch nicht).

Danke für Deinen Bericht und gerne wieder...........

AAA 

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Mötti    419

Danke für die Blumen. Wenn ich beim Fischen etwas erlebt habe, dass ich ich mir in Erinnerung behalten will, dann schreibe ich gerne etwas. Daher ist das nicht ganz uneigennützig. 

Gruss 

Mötti 

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WASABI    875

@Mötti Danke für den Bericht und Fotos! Petri Mötti, nun konntest du schon erste Erfahrungen sammeln beim Meeres Fischen. Vorsicht, es macht süchtig ;) Meine Ferien im 2018 sind schon gebucht :sweat_smile:

@AAA was geht denn nicht beim hochladen der Bilder? So einfach wie im Haken habe ich bisher nie Bilder in ein Forum einfügen können...:thinking: Dein Bildli im Avatar, ist das dein Hund? 

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