Jump to content
Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Mötti

Bergsee zum Ersten

Empfohlene Beiträge

Mötti    318

Zusammen mit @Plochi und Wels war ich vom späten Donnerstag (14.9.17) bis Sonntag (17.9.17) in den Tessiner Bergen. Für mich war es das erste Mal Bergsee Fischen. Im Vorfeld hatte ich mich mit Ködern und Informationen eingedeckt. An dieser Stelle herzlichen Dank an @Larzh, der nicht mit Tipps geizte. Die Gegend kannte ich schon vom Wandern und wusste welch schöne Natur uns erwartet. Die Wetterprognosen waren wenig erbaulich und wir befürchteten viel Regen, Schnee und Kälte. Betreffend Technik wollte ich mich bewusst auf das Spinnangeln reduzieren und dies vorwiegend mit grösseren Ködern. Mein Ziel war ein grosser Namaycush und die Gefahr einer totalen Nullrunde nahm ich bewusst in Kauf. Nachdem wir in einem Tourist Office das Patent organisiert hatten, machten wir uns auf zum erste See, um noch die Abendstunden zu nutzen. Um 19:00 Uhr war dann Schluss, im September ist da unten erstaunlicher Weise sehr früh Feierabend für die Fischer. Meine Freunde hatten wenigstens ein Paar Nachläufer, bei mir war nichts. So gingen wir weiter zu unserer Pension, die an einem kleineren See lag, bezogen das kleine Zimmer und liessen uns kulinarisch verwöhnen. Der Abend wurde sehr gemütlich, die Nacht dafür weniger. Wenn der Eine sägt wie ein Sägewerk und der Zweite die ganze Zeit stöhnt weil er nicht schlafen kann, dann ist es für den Dritten umso übler.

Ich war nicht unfroh, als früh der Wecker abging, machte mich bereit und weckte Plochi. Wels hatte zu meinem Erstaunen am Vorabend verkündet ausschlafen zu wollen. Na ja, jeder wie er will. Während ich einen Marsch zu einem bestimmten Spot am See des Vorabends machte, hatte Plochi den kleinen See um die Ecke im Visier. Am Spot war ich etwas zu früh. Die Sterne funkelten und von Dämmerung noch keine Spur. Nach einer Weile montierte ich den hellsten Gummiköder und stellte erstaunt fest, dass der fluoreszierend war. Sehr gut, dann kann es ja los gehen. Die Dämmerung kam, die Sonne ging auf, von Fisch keine Spur. So verging die Zeit ereignislos. Als wir uns bei der Pension zum Zmorgen einfanden hatte auch Plochi leere Hände. Ausser Seegras hatte er nichts erwischt. Nach dem Essen machten wir uns dann zu Dritt nochmals zum grossen See auf und machten dort Strecke. Zuerst ging ausser Köderverlust gar nichts. Während ich strikt mit KuKö fischte, waren meine Freunde mehrheitlich mit natürlichen Ködern unterwegs, wobei Wels noch seine Schwedenköder ab und zu ausprobieren wollte. Bei einem Bacheinlauf hatte dann Plochi den ersten Fisch. Da er noch nicht wirklich gross gewachsen war liess er ihn wieder schwimmen. Wels hatte dann den Nächsten. Auch kein Riese, aber er hatte leider zu tief geschluckt und musste entnommen werden. Auch ich hatte auf einem SeeFo Köder einen kleinen Rägäbögler. Aufgrund der blutenden Kiemen musste ich ihn abschlagen und war froh, dass er zumindest zwei Zentimeter über Schonmass war und verwertet werden konnte. Aber das Mass ist im Tessin sehr niedrig angesetzt. Bei Plochi tat sich bald darauf auch etwas und er kam zu seinem ersten Fisch. Und bei diesem Einen massigen Fisch blieb es dann auch, bei allen. Wir umliefen noch den See, sahen noch den einen oder anderen kleinen Fisch, hatten aber keinen Erfolg mehr. Während Wels und Plochi sich auf den Rückweg machten und mir noch Chauffeurdienste anboten, versuchte ich es noch gute 1,5h lang weiter. Das Wetter war den ganzen Tag entgegen den Prognosen sehr gut, aber jetzt war fertig lustig. Leider hatte ich keinen Fischkontakt mehr bis Wels mich holte. In der Pension servierte man uns zur Vorspeise unsere kleinen Rainbow’s, dann gab es Polenta mit Hirsch und als nach dem Kaffee die Rechnung kam, wurden noch die frischgewaschenen Stoffsäckli für die Fische retourniert – toller Service.           

Am Samstag ging ich wieder in aller Früh runter zum grossen See und wieder ohne Fisch rauf zum Zmorgen. Anschliessend machten wir uns zu Dritt an den See vor der Haustüre. Wir sahen zwar viele Kleine springen, aber Erfolg hatten wir keinen. So gingen wir an Nachmittag doch nochmals runter. Dieses Mal zu einem anderen Einlauf. Es hatte bereits einen einheimischer Fischer dort, der aber nichts gegen unsere Gesellschaft hatte. Während dieser ein paar Fische entnahm und fleissig an seiner Vollpackung arbeitete, lief es uns nicht besser als am Morgen und auch ein Spotwechsel brachte nichts. Als wir etwas zerknirscht am Abend wieder bei der Pension waren, da wollten wir es noch einmal wissen und eine andere Stelle am kleinen See befischen. Aber auch dieser letzte Versuch den Schneidertag abzuwenden scheiterte. Ausser Hängern und Abrisse war nichts gewesen.

Ich war mir noch nicht so sicher, ob ich am Sonntag nochmals früh aufstehen sollte. Der schlechte Schlaf in den Nächten zuvor, die frische Luft, das Wandern und Fischen – all das machte mich schon recht müde. Daher stellte ich den Wecker auf Früh mit Option auf Verlängerung. Als er dann abging, welche ein Wunder, am Sonntag ist das Sägewerk still. Ausnahmsweise kein Geschnarche, da konnte ich einfach nicht wiederstehen und pennte weiter. Nach dem Zmorgen hiess es packen und Abschied nehmen. Die letzten Stunden fischen vor der Heimreise waren angesagt. Es gab noch eine traumhaft schöne Bucht, die wir noch nicht befischt hatten. Dort hatte ich noch ein paar kleine Nachläufer, aber auch hier gab es keinen grösseren Fisch zu sehen. So machten wir uns verkehrsbedingt nach einem letzten tessiner Mahl in einer mir bekannten Osteria auf den Weg über den Gotthard.

Daheim ist die Jüngste wie so oft am schnellsten an der Türe. „Papi, Papi, ändli bisch wieder da. Häsch än Fisch gfangä? Was für eine? – Mami, Mami, dä Papi hät ä Rägäbogäforälle gfangä.“ Im Gegensatz zur Kleinen die stolz auf mich war, fand meine Frau meine Ausbeute natürlich äusserst amüsant…

Fazit:

Wir hatten ein tolles verlängertes Weekend, welche uns dreien sehr gut getan hat. So richtig schöne Kurzferien. Schöne Natur rundherum und ungestört, ganz ohne Natelempfang dem Hobby frönen, gutes Essen und Trinken, mit guten alten Kumpels in Erinnerungen schwelgen und rumalbern. Gerne wieder. Ob es dann nächstes Mal wieder am gleichen Ort sein wird oder vielleicht gar nicht Bergsee sondern an irgend einem Flüsschen, mal sehen. Den Kanadiern nachstellen will ich sicher mal wieder und wenn die Örtlichkeit in Sachen Landschaft und Kulturellem etwas hergibt ist auch ein Nullrunde nicht so wild. Hänger und Materialverlust sind aber nervig und an meiner Technik muss ich wohl auch noch etwas feilen.

Gruss

Mötti

  • Daumen hoch 5

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Larzh    498

Hallo Mötti,

Danke für den toll geschriebenen Bericht! Schade hat es nicht für einen besseren Fisch gereicht! Aber die Natur und gute Zeit mit Freunden entschädigt ja für vieles :)

Petri & Gruss

  • Daumen hoch 1

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
WASABI    863

Dank @Mötti für den bericht und Erfahrungen an denen du uns teilhaben lässt. So sollte es sein. Auch wenn der Spruch schon legende ist, trifft es den Nagel auf den Kopf.

Von Fischer für Fischer. 

  • Daumen hoch 1

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden

Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  

  • Gleiche Inhalte

    • Von michi-sz
      Halli Liebe Leute
      Habe vor, dass nächste Jahr mind. 1 x mehrere Tage an einem (oder 2) Bergseen zu verbringen. Nun meine Frage, habt Ihr allgemeine Tipps und Tricks? Mir ist klar, dass man sich vorher über die Reglemente, das Gewässer und das Wetter schlau machen muss, ebenfalls über Übernachtungs- / Campingmöglichkeiten. Mir geht es mehr darum, wie viel braucht man effektiv... reichen ein paar Köder und eine Angelrute, empfiehlt ihr mehrere Angelruten? Habt Ihr vielleicht auch ein Gewässer? Spielt das Zelt eine so grosse Rolle? Wie habt Ihr's mit dem Esse, gibt es da Nahrungsmittel, welche Ihr empfehlen würdet wegen Haltbarkeit, Nährstoffen etc. Kann man Problemlos aus einem Bergesee trinken? Wie bewahrt Ihr die Fische solange frisch?
      PS: Fliegenfischen kann ich leider noch nicht
      Danke schon jetzt vielmals für die hilfreichen Tipps und Tricks! Ihr dürft natürlich auch gerne eine PN schreiben.
      Petri
      Michi
    • Von Larzh
      Seit Anfang Mai ist die Bergsee Saison in mehreren Kantonen im vollen Gange! Ich war mittlerweilen schon unzählige Tage am Wasser und konnte viele Forellen bis 50cm fangen. Hier eine Auswahl der besten Bilder:
      Gruss und Petri
    • Von nicithefisher
      Ich wünsche euch allen ein gutes neues Jahr und hoffe, ihr habt erfolgreich in die neue Saison gestartet!
      Ich begann das neue Jahr gleich im Anschluss an die Silvesterparty, ohne Schlaf, mit der verrücktesten Tour, die ich je gemacht habe. Zusammen mit Fischerkollege Reto ging es auf einen 2-Tägigen Trip zum Eisfischen auf dem Engstlensee, und zwar mit Aufstieg von Berner Seite, und mit Übernachtung im Zelt auf dem Eis! Kurz gesagt, es war extrem anstrengend, teilweise auch nicht ungefährlich, aber alles in allem ein super Trip! Ein tolles Abenteuer, mit schönen Fängen und einer eindrücklichen Erfahrung, wie mächtig die Natur in den Bergen sein kann.
      Natürlich hätten wir eigentlich auch einfacher zum Engstlensee gelangen können. Das mache ich ja normalerweise auch, z.B. bei den Guidings. Aber dieses mal ging es uns halt nicht nur ums Fischen, sondern um das ganze Erlebnis und um die sportliche Herausforderung.
      Statt einem detaillierten Bericht, habe ich ein Video von diesem Erlebnis zusammen geschnitten. So könnt ihr eins zu eins miterleben, was wir erlebt haben...
      Und hier nun noch ein paar Fotos...
















      Rückblickend sind wir natürlich froh, dass wir wohlbehalten alles überstanden haben und nichts schlimmeres passiert ist. Auch wenn der Rest dieser Tour super geklappt hat (mit dem Zelt, guten Fängen, teilweise schönem Wetter, etc.), dürfen wir nicht vergessen, dass das auch ganz anders hätte enden können bei dem heftigen Sturm und der enormen Lawinengefahr. 
      Hoffentlich haben wir jetzt niemanden auf dumme Ideen gebracht, sowas nachzumachen. Falls doch, dann überlegt und plant das wirklich gut. Seid sicher, dass ihr erstens in allen Aspekten optimal ausgerüstet seid (Gute Funktionsbekleidung, robustes wintertaugliches Zelt, isolierende Winter-Schlafmatten, sehr warmer Schlafsack, etc.) aber auch den Respekt vor der Natur wahrt. Wir waren top ausgerüstet, aber hätten die Wettervorhersagen ernster nehmen müssen. Wir werden dieses Abenteuer sicher wiederholen, aber beim nächsten Mal nur noch wenn die Prognosen eindeutig sicher sind.
      Wahrt immer den Respekt vor der Natur, insbesondere im Gebirge. Kennt eure Grenzen und seid euch dessen jederzeit bewusst. Kein grosser Fisch, kein Erlebnis der Welt ist es wert, ein zu grosses Risiko einzugehen. Ein Rückzug zeugt von Vernunft und gutem Einschätzungsvermögen und ist keineswegs etwas, wofür man sich schämen sollte.
      Gruss und Petri, Nicola
    • Von Larzh
      Hallo zusammen, 
      So langsam geht es auch in den höher gelegenen Gewässer los, deshalb wird es Zeit für einen neuen Bergsee Thread. Ich war dieses Wochenende im Tessin unterwegs, "Bergseen" unter 1200 m.ü.M sind da bereits seit mitte März für die Fischerei offen. Am Sonntag stand ein für mich neuer Stausee auf dem Programm, welcher unter anderem auch Kanadier beherbergen soll. Tatsächlich gab es bis am Mittag die ersten schönen Kanadier der Saison mit 40 und 39 cm. Zwar noch etwas schlank nach dem Winter aber trotzdem ein gute Portion zum Nachtessen für mich und meine Freundin 

      Freue mich jetzt schon auf viele schöne Berichte hier.
      Gruss und Petri
    • Von Cowboy86
      Hallo Zusammen
      Vor ca. zwei Jahren verbrachte ich einen längeren Urlaub mit meiner Freundin in Australien und Neuseeland. Wir waren hauptsächlich mit Auto und Zelt unterwegs und entdeckten so abgelegene Orte und wunderschöne Plätze. Wenn immer möglich übernachteten wir in Gewässernähe, um unser Essen selber zu fangen. Zurück in der Schweiz nahmen wir uns fest vor, auch hier mehr Zeit in der Natur, den Bergen usw. zu verbringen und unsere schöne Heimat neu zu entdecken. Wie das mit guten Vorsätzen so ist, wieder im gewohnten Trott mit Arbeit, Hobbies und Verpflichtungen bleibt einem wenig Zeit und sie rutschen in den Hintergrund. Die Naturerlebnisse beschränkten sich deshalb im letzten Jahr hauptsächlich auf die bekannte Umgebung und den See vor dem Haus. Damit es in diesem Jahr anders wird, bin ich auf eure Hilfe angewiesen.
      Wir würden gerne Ausflüge an (abgelegene) Bergseen unternehmen und nach Möglichkeit dort Übernachten. Für das Campieren in der Schweiz gibt es diverse Auflagen (Verbot im Nationalpark, in Jagdbanngebieten, vielen Naturschutzgebieten, in Wildruhezonen usw.). Grundsätzlich ist eine einzelne Übernachtung im Gebirge oberhalb der Waldgrenze (ca. 1800-2200m ü. M.) aber meist unproblematisch – wenn sie rücksichtsvoll erfolgt. Das selbe gilt für Privatgrund, unter Einverständnis des Besitzers. Dazu habe ich hilfreiche Informationen auf folgenden Seiten gefunden: SAC-Merkblatt / Verbotsliste
      Allerdings bin ich ein Geographie-Banause und kenne mich mit den Seen wenig aus. Meine Frage deshalb an euch: Kennt ihr geeignete Bergseen die zum Fischen freigegeben sind und an denen ein Zelt aufgestellt oder allenfalls eine Hütte gemietet werden kann?
      Sehr hilfreich wäre ausserdem zu wissen, welche Reglemente dafür gelten und wo ein entsprechendes Patent gekauft/bestellt werden kann.
      Ich kann auch verstehen, wenn nicht jeder seine "geheimen Rückzugsorte" preisgeben möchte, allerdings würde ich mich über ein paar Tipps oder Vorschläge sehr freuen.
      Vielen Dank und beste Grüsse
      Raphi
×