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Peter_H

Traumtage im Tessin

Empfohlene Beiträge

Peter_H    206
Es rüttelt...
Gerade hat die Centovallibahn die Station Verbania verlassen. Unter mir geht es wohl mehr als hundert Meter senkrecht runter, der Blick endet in der Melezza. Kristallklares Wasser, Pools wo man die Bachforellen fast auf diese Distanz erkennen kann. Der Puls geht schneller, nur ein wenig....Vor drei Tagen wäre er noch auf etwa 160 angestiegen bei diesem Anblick. Heute aber ist mir der Anblick nicht mehr ganz so fremd.

Ich bin auf der Heimreise. Mein Bruder und mein Neffe haben mich in Locarno zum Bahnhof gebracht und haben dann ihrerseits die Heimreise angetreten richtung Bodensee.

Zwei Tage haben wir gemeinsam südlich der Alpen gefischt...traumhaft, ja fast unwirklich. Eine Männerrunde mit gemeinsamem Ziel, unkopmliziert, Familie mal für ein paar Tage zu hause gelassen.

Am ersten Tag sind wir richtung Bosco Gurin gefahren. Die Rovana zeigt uns in ihrer schönsten Pracht. Smaragdgrüne Pools, Wasserfälle, Bachläufe zwischen abgeschliffenem Granit durch, jeder Meter Bach ein neues Sujet für meinen Bruder. Wir haben zu dritt zwei Patente gelöst, mein Neffe und ich gefischt, mein Bruder fotografiert.
Beim Einstieg in den Bach friert uns noch an die Finger, es liegt noch fleckenweise Schnee. Wir haben den Südlicheren Arm gewählt und sind bis Niva Vallemaggia gefahren. Ein winziger Ort auf etwa 950 m.ü.M. Die Sonne, die uns zweifellos heute verwöhnen wird, wird aber wohl erst gegen Mittag unsere Seele wärmen, soweit diese nicht schon von der malerischen Landschaft gewärmt ist. Die Fische scheinen uns hier weniger wohlgesonnen wie das Wetter. Wir merken schnell, auch wir werden hier alle Rafinessen der Fischerei anwenden müssen um eine Forelle an den Haken zu bekommen. Aber die Entschädigung durch die Stimmung einerseits landschaftlich, anderseits gesellschaftlich lässt uns das sehr locker sehen.
Gegen Mittag verlassen wir diesen Ort, jeder ohne Fischkontakt und fahren einige km. talwärts richtung Cevio. Auf halbem Weg machen wir nochmals Halt und widmen unsere zugegebenermassen noch nicht so ausgereiften Künste einem weiteremn wunderschönen Bachlauf.
Gegen 16:00 Uhr brechen wir hier ab und gehen ins Tal. Oberhalb von Coglio, wo wir in einer wunderschöne Oase von einer Pension nächtigen statten wir der Maggia noch einen kurzen Feierabend-Besuch ab.
Den Abend lassen wir leider nicht bei gedünsteter Forelle, aber doch kulinarisch reizvoll, bei einem Bierchen und Männergesprächen ausklingen.

Am zweiten Tag ist unser Ziel die Bavona.
Auch hier treffen wir wieder auf unglaublich schöne Bachläufe. Die Sonne scheint bereits und unsere Ausrüstung wird auf ein Minnimum beschränkt. Heute binde ich, da ich schon einige Insekten ausmachen konnte, eine Trockenfliege an meine Tenkara-Rute.
Die Bavona ist hier deutlich breiter als gestern die Rovana und ich fische auch mit der langen Schnur. Bei absoluter Windstille ist es damit herrlich zu fischen. Mittlerweile kann ich schon recht treffsicher werfen und mich dadurch mehr auf die Führung der Fliege konzentrieren. Und siehe da, schon beim fünften Wurf ein ruck, zaghaft aber bestimmt. Ja, sie ist gehakt. Ich sehe aber schon von weitem, dass sie sicherlich nicht massig ist, so lande ich eine wundreschön gezeichnete ca. 20er die ich sogleich wieder schohnend in die Freiheit entlasse.
Aber das Fieber ist geweckt. Ich hoffe nur, dass das nicht, wie bei mir üblich ein schlechtes Ohmen ist. Normalerweise, wenn ich gleich zu Anfang was habe, ist dann Schluss für den Rest des Tages. Es soll auch heute so sein.
Glaubten wir gestern im Himmel zu sein, so muss das heute wohl das Paradies sein. Imposante Felsbrocken säumen den Bach, das Wasser könnte klarer nicht sein. In einigen Pools sieht man die Fische kreisen, Massfische, da sind wir uns sicher. Aber wir können die ganze Fliegen- und Köderbox durchprobieren, die Fische interessiert das nicht im Geringsten.
In einem Grotto, bei Käse und Rotwein erholen wir uns von den Strapazen, die man aber erst merkt, wenn man sich mal eine Weile hingesetzt hat.
Den Tag beschliessen wir an einem kleinen Wasserfall, der aber unsere Billanz auch nicht mehr aufbessert. Den letzten Abend geniessen wir wieder im Garten der Pension, lassen die vergangnen Tage revuepassieren und geniessen die herrliche Luft und die Prise Dolce Vita, die hier einfach in der Luft liegt.
Die Tessiner Fische scheinen uns nicht wohlgesonnen. Aber unsere Erfahrunge teilen sich mit einigen Kollegen. Dennoch: Nichts fangen macht im Tessin trotzdem grossen Spass. Die Entspannung war riesig und ich kann so etwas nur jedem empfehlen. Vielleicht seid Ihr dann erfolgreicher beim Fischen wie wir. Aber ich bin deswegen keineswegs in irgendeiner Form geknickt, im Gegenteil. Die Saison geht ja erst langsam los.
Eben hat die Centovallibahn die Grenze passiert und in drei Stunden bin ich wieder zurück im wirklichen Leben. Aber ich komme zurück - garantiert:D

Ich hänge in loser Folge einige Stimmungsbilder an. Sie entstanden an der Maggia, der Rovana und der Bavona.

Euch allen ein schönes Wochenende, Petri heil und viel Entspannung beim Fischen!
Peter
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Forelle1958    396
Danke Peter für diesen wunderschön zu lesenden Bericht.

Ich habe dabei echt mitgefiebert und bei zwei Passagen vom zweiten Tag gedacht; jetzt beisst eine tolle Bachforelle :)

Das glasklare Wasser in den Tessiner Bergbächen macht vermutlich die Sache nicht gerade einfacher und aufgrund des Befischungsdrucks in vielen Fliessgewässern sind die Forellen wohl besonders misstrauisch und schnappen wohl nur nach Ködern die der gewohnten Nahrung entsprechen und dann auch nur wenn sie keine komischen Aktivitäten am Wasser feststellen:unsure:

Aber gerade das macht das Fischen an solchen Gewässern herausfordernd und die Tage an solchen Gewässern lassen ausbleibende Fänge wohl schnell vergessen wie auch deine Fotos zeigen :)

Wünsche dir bei der Fortsetzung der noch langen Saison ein dickes Petri und viele unvergessliche Momente.

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Gast   
Gast
Hei vielen Dank Peter, ich liebe so ausführlich beschriebene Berichte... :)

Sind schon immer wieder faszinierend die Tessiner Bergbäche mit ihrem glasklaren Wasser, aber fürs Fischen zum Teil wohl wahre Knacknüsse.

Weiterhin Petri Heil, die Saison ist noch nicht zu Ende...

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Blizzi    0
Vielen Dank für den schönen und spannenden Bericht und Fotos !
Solche kleine Abenteuer fern vom Familienalltag tut doch auch mal richtig gut - und soll uns ja auch mal gegönnt sein. ;)

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Stefan    223
Lebendig geschrieben und wunderschöne Bilder. Merci für den Bericht :)

Schade, dass der Bruder keinen Polarisationsfilter auf der Kamera hatte :D

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Peter_H    206
Hallo Jungs
Schön, dass Euch der Bericht gefallen hat. Die Tage sind so nachhaltig, dass ich heute, in Gedanken immer noch an der Maggia beinahe einen wichtigen Termin verpasst hätte, den ich völlig vergessen hatte:rolleyes:

@ Stefan: natürlich hat er ein Polfilter, nicht nur das. Aber ein solcher ist gar nicht nötig, die Fische sieht man bis in grosse Reifen ohne Probleme. Aber unsere ganzen Köderboxen und all unsere Führungskünste scherten die Fische in feinster Weise. Vermutlich haben sie Wetten abgeschlossen, welchen Köder wir als nächstes ausprobieren und uns dabei die Zunge rausgestreckt:D

LG
Peter

PS: für interessierte die HP meines Bruders: http://www.haba-pictures.ch Einige Maggia-Bilder findet ihr bereits in der Galerie "Wald und Wasser"

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Larzh    496
Hi peter

Danke für den schönen bericht! :)
Wie du weisst war auch ich am osterwochenende an den fast gleichen gewässern unterwegs! Schade haben wir uns nicht getroffen...
Falls es dir recht ist werde ich bei gelegenheit in diesem beitrag auch noch ein paar fotos und sätze hinzufügen. Auch für mich und meine bessere hälfte waren es traumtage im ticino!

Petri und gruss

Lars

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Larzh    496
Hallo zusammen

Auch mich und meine Freundin zog es über die Ostertage Richtung Süden ins wunderschöne Tessin.
Peter und ich hatten aufgrund eines vorausgegangenen posts bereits Kontakt und suchten beide nach guten Angelgewässer im Ticino.
mit ein paar tipps von Ricci entschieden wir uns dann für den oberen teil des Maggiatals. Unser Ausgangspunkt war Bignasco wo wir auch übernachteten.
Am ersten Tag fischten wir im Val Lavirazza. Die Fischerei gestaltete sich für uns als Bergbach Neulinge relativ schwierig, trotzdem konnten wir einige bisse verzeichnen. Fische sahen wir auch immer wieder in diversen Pools jedoch eher kleinere Exemplare. Trotzdem das wir keinen Fisch an Land begrüssen durften war es einfach ein toller Tag den wir in der wunderschönen Natur verbringen durften.
Am Abend gab es dann ein feines Nachtessen mit nicht fischenden freunden welche per Zufall auch grad im Tessin waren.

Am Sonntag nahmen wir dann das Val Bavona in angriff und fischten die Bavona hoch bis San Carlo. Die Bavona gefiel uns von der Strecke her noch besser, die Gegend war einfach Traumhaft. Was die Fischerei betraff sah es aber auch hier ähndlich aus wie am Samstag, bisse auf unsere kleinen Gummiköder gabs zwar jedoch blieben die fische kaum hängen und wenn doch waren sie zu klein.

Zwei intensive Tage mit viel Wandern, Klettern und Fischen im Maggiatal gingen zu ende.
Ohne Fisch aber mit wunderschönen Erinnerungen ging es Sonntag Abend zurück nach Zürich.
Maggiatal wir kommen wieder, spätestens dann wenn die Bergsee Saison wieder losgeht. :D
Und das Projekt Fische aus den Tessiner Bergbächen ist definitiv auch noch nicht abgeschlossen.

Hier noch ein paar Bilder von unserem Trip:

Meine bessere hälfte voll konzentriert am fischen wie immer :D
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Wunderschöne Fario aus der Bavona
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gruss und petri

lars

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