Jump to content
Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Jon

Abgeschleppt in Hurghada

Empfohlene Beiträge

Jon    294
Pünktlich zum Kälteeinbruch machte ich mich mit meiner Frau für eine Woche auf nach Hurghada.

https://haken.ch/archuploads/img11864_3919.jpg

Kurz nach der Ankunft im Hotel, gehe ich zum Hafen und suche meinen Kapitän Sabri, mit dem ich schon vor fünf Jahren dort am Fischen war. Nach einigen Telefonaten der einheimischen Angler, finden sie ihn und kurz darauf kommt er auch schon angeflitzt. Er meint zwar, dass Hurghada ausgefischt sei und kaum noch grosse Fische zu fangen sind, trotzdem buche ich für den nächsten Tag einen Trip mit seinem 10 m langen Boot. Als ich dann am darauffolgenden Tag beim Frühstück sehe, dass die See spiegelglatt ist, schliesse ich schon vorab Frieden mit meinem heutigen Tages-Nuller, denn keine Wellen sind auf dem Meer so ziemlich das schlechteste, sofern man schleppt. Da der Trip aber schon anbezahlt ist, gehe ich natürlich und lasse anstelle meiner flachlaufenden Wobbler die tieflaufenden raus. Auf 4 m, 6 m und 9 m biete ich in Abständen von 50 bis 70 Meter drei Wobbler an. Als nach einer Stunde immer noch nichts gebissen hat, lasse ich bei allen Ruten 20 m Schnur mehr raus, um die Lauftiefe der Köder zu verändern. Kurz darauf kreischt eine Rolle. Ich nehme Kontakt zum Fisch auf, merke zwar ein gutes Gewicht, jedoch kämpft er nicht gross, so dass wir auf einen Grouper schliessen. Kaum sehen wir aber den Fisch und umgekehrt, donnert dieser in mehreren Fluchten immer wieder in die Tiefe und nimmt jedesmal 10, 20 und mehr Meter Schnur von der hart eingestellten Rolle. Irgendwann wird er aber doch müde und Sabri landet ihn auf eine risikofreudige Art und Weise. Eine knapp metrige Königsmakrele liegt im Boot, was für ein Fisch!

https://haken.ch/archuploads/img11864_3914.jpg

So schleppen wir weiter, da aber wieder eine Stunde lang nichts beisst, verlängere ich die Abstände jeweils nochmals um etwa 30 Meter. Noch beim Herauslassen des zweiten Köders, wird der erste X-Rap Divebait in einem Abstand von ca. 120 Meter hinter dem Boot genommen. Als ich Kontakt aufnehme, denkte ich zuerst an einen Hänger, der sich dann aber mit heftigen Kopfschlägen wehrt. Als nach langem Drill der Fisch endlich unter dem Boot ist, bemerkte ich, dass er mittlerweile in einer Tiefe von 50 m seine Kreise dreht und sich mit dem gesamten Gewicht dagegen stemmt. Es vergehen wieder einige Minuten, bis das noch unbekannte Tier langsam aber sicher sich Richtung Oberfläche bewegen lässt. Dann erkennen wir endlich den Fisch, es ist ein grosser Jack von über 10 Kilo, der schliesslich auch gelandet werden kann.

https://haken.ch/archuploads/img11864_3915.jpg

Und schon geht es mit etwa 15 km/h weiter und wir können noch einen kleineren Barrakuda auf einen Rapala Magnum verhaften, dazu verlieren wir noch einen Fisch und bekommen noch einen Fehlbiss.

https://haken.ch/archuploads/img11864_3916.jpg

Am Mittag stehen immer mehr Boot an den Riffs und hunderte von Schnorchlern und Taucher tummeln sich im Wasser, was Sabri aber nicht davon abhält, die Wobbler dort voll durchzuziehen – ein wahres Wunder, dass kein Taucher hängen bleibt! Dann stoppt er aber fürs Mittagessen doch und ankert sein Boot an einem schönen Riff. Er meint, dass wir vor dem Essen noch ein bisschen schnorcheln und mit der Handleine fischen sollten. Als das Boot aber nicht mehr fährt und es ganz leicht schaukelt, ist es um meinen Magen sofort geschehen und ich begebe mich schon nach wenigen Minuten zur Rehling und füttere die Fische nicht nur mit dem Frühstück, sondern auch noch mit dem gestrigen Abendessen. Das bitterste an der ganzen Geschichte ist jedoch, dass ich damit Unmengen an Fischen anlocke, die sich gemütlich meine vorverdauten Speisen zu Leibe führen und ich nicht mehr fähig bin, auch nur eine Handleine zu bedienen. So breche ich die ganze Übung ab und wir fahren anstatt nach 9 Stunden fischen schon nach 4 zurück. Trotzdem ein unverhofft guter Angeltag, was sogar Sabri sehr überrascht.

https://haken.ch/archuploads/img11864_3917.jpg

Nach dem letzten Trip schwöre ich mir, dass ich in dem Urlaub keinen Fuss mehr aufs Rote Meer setzt. Jedoch kommt es wie immer und ich steige zwei Tage später zu Sabri aufs Boot. Auch heute windet es nicht, sondern es stürmt, was teilweise Wellen von mehr als 2 m zur Folge hat und oft ein Stehen im grossen Boot nicht möglich macht. Diese Wellenart ist für meinen Magen jedoch nicht so schlimm, wenn ich mich an gewisse Regeln halte… Nach 30 Minuten schlägt es unglaublich heftig ein, der Fisch bleibt nach dem Biss auf den 22 cm Rapala Magnum einfach stehen und das fahrende Boot reisst in kürzester Zeit mehr als 100 Meter Schnur von der Rolle. Ich vermute einen grossen Grouper und da diese oft sehr schnell in ihre Höhle am Grund zurück wollen und dann verloren sind, halte ich die Bremse voll zu, so dass es den Fisch nach oben zieht. Danach ist die Gegenwehr vorbei und der Fisch kann leicht zum Boot gekurbelt werden. Ein wunderschön gefärbter Grouper von ca. 60 cm kann gelandet werden.

https://haken.ch/archuploads/img11864_3921.jpg

https://haken.ch/archuploads/img11864_3918.jpg

In der Folgezeit biegt es immer wieder die Ruten nach hinten, viele Fische gehen verloren oder bleiben nicht hängen, drei weitere Grouper können aber doch noch gelandet werden, wobei die Mondflossenzackenbarsche am schönsten sind. Grouper kämpfen in der ersten Minute unglaublich stark, so dass man zuerst an einen Hänger glaubt, danach geben sie aber relativ schnell auf. Ach ja, wir waren ja noch bei den gewissen Regeln bei hohem Wellengang, eine davon ist das Nichteinnehmen von „Hopfentee“… Um es kurz zu machen, wir brechen die Tour auch heute am Mittag ab ;-)!

https://haken.ch/archuploads/img11864_3920.jpg


Gruss Jon

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Diablo    25
Hallo Jon

Einfach sensationell, was das Salzwasser für Farben hinbekommt. Finde es cool, dass du trotz "Rückwärtsessen" immer wieder auf`s Boot gehst. So wie der Reiter und das Pferd ;). Danke für den tollen Bericht, kann mich kaum satt sehen an den Farben!
Petri zu den "Fischlis"
Werden diese Fische generell releast oder auch verspeist? Big Game auf Sword wird ja immer releast!?! Ist es hier auch so? Gibt es ungeschriebene Regeln?

Diablo (mit vielen Fragen :D)

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Jon    294
ja,auf den professionellen high-tech-Schleppbooten wird je länger je mehr releast, jedoch auch nur an den bekannten Touri-Orten;).

Wenn man aber in einem Drittweltland mit einem einheimischen Fischer unterwegs ist,wird nicht releast. Einerseits versteht er es nicht,wieso man Fische quälen kann,sie grinsend vor die Kamera hält und wieder ins Wasser wirft,andererseits bedeutet Fisch für ihn Essen oder Geld. So finde ich es ziemlich daneben und grosskotzig,wenn die reichen Europärer vor den Augen der Einheimischen die Fische zurücksetzen.
Ihr könnt aber einen Fischtöter mitnehmen,denn sonst werden die Fische einfach ins Boot geworfen und ersticken qualvoll.

https://haken.ch/archuploads/img11868_3922.jpg

https://haken.ch/archuploads/img11868_3923.jpg

https://haken.ch/archuploads/img11868_3924.jpg


Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Diablo    25
Danke Jon

Kann mir gut vorstellen, dass man eben nicht überall die Fische wieder ins Wasser wirft. In gewissen Ländern heisst anglen gleich essen. Anyway...toller Breicht und tolle Fotos

Diablo

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Fly77    0
Hy Jon, das war der besste Bericht den ich bei Haken.ch gelesen habe!!
Einfach nur Traumhaft....Traumfische...Traumurlaub...Traumland einfach Super kombiniert:-O

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Gast   
Gast

Hi Jon

Petri!!!!!
Thanks für den tollen Bericht!!! schöne Fische und Bilder....
überlegte damals in Hurghada auch, mal raus zu fahren... wäre ich doch bloss gedüst.....
tja,,,next time...

Mit was für Rollen und Ruten, wurden da gefischt?

Gruss und Thanks

René

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Gast   
Gast
Hoi Jon,
da hast Du Dir doch ein dickes Petri verdient.
Sehr schöner Bericht der sich durch die vielen schönen Fotos super lesen lässt.
Ich freue mich schon auf den nächsten Fangbericht.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Jon    294
danke euch!

dieses Schleppmaterial habe ich auf der ganzen Welt dabei,damit bekommt man jeden "normalen" Fisch raus:

2-4 Ruten der Länge 2,4 und 2,7m: http://www.askari.ch/__WebShop__/pro...ten/detail.jsf

Die Ruten sind stabil, sollten aber bei den Verbindungsstellen mit Klebeband verstärkt werden. Sie reichen aus, um alle „normalen“ Fische aus dem Meer zu ziehen, sind nicht so teuer und die einheimischen Fischer freuen sich, wenn ihr ihnen welche am Schluss schenkt.

Schnur: da habe ich eine billige Geflochtene mit ca. 20kg Tragkraft. Man sollte mindestens 250m drauf haben, falls Marlin oder Tunas vorkommen, sind 400m zu empfehlen,
z.B. http://www.askari.ch/__WebShop__/product/angeln/angel-zubehoer/angelschnuere-4/geflochtene-schnuere-1/wft-international-dynamix-exact-schnur/detail.jsf .

Wenn ich mit Wobblern schleppe, ist immer(!) ein Stahlvorfach drauf (Tragkraft von mindestens 30kg). Vor das Stahlvorfach, schalte ich noch ca. 2m 0,70er Mono, falls sich einmal ein Fisch in die Schnur einwickelt oder Riffs in die Quere kommen.

Rollen: 5000-8000er Stationärrollen um die 80-100 Franken oder kleine Multis, z.B.
http://www.askari.ch/__WebShop__/pro...len/detail.jsf

Köder: Wobbler zwischen 14 und 25 cm. Man muss welche für alle Tiefen von 1 bis 10m haben, die Farben spielen dabei nicht so eine Rolle, meist sind helle jedoch besser. Mahi Mahis und Tunas gehen aber lieber auf kleinere Wobbler und noch lieber auf Streamer und Jigs.

Da die meisten Boote keine Rutenhalter haben, sollten unbedingt noch Sicherungsseile mit!

Mit der Ausrüstung seid ihr auf dem richtigen Weg.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Hi Jon,

super Bericht, tolle Fotos und nice Pic's!!

Hatte man von den Unruhen , die zur Zeit in Ägypten herrschen was mitbekommen oder ging's einigermaßen?

Wie sieht es mit der allgemeinen Versorgung aus, Proviant, Köder, gibts Leihgerät oder besser selbstmitbringen?

Wie sieht es mit dem Kostenfaktor aus?

Danke für deine Mühen!

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Jon    294
man bereist am besten Länder, wo es Unruhen gibt/gab,denn dann wird es richtig billig. Das gleiche kostete vor 5 Jahren mehr als 600.- pro Pers. mehr. Es war jedoch alles so wie früher.
Fürs Boot bezahlte ich das erste Mal 200 und das zweite Mal 180 Euro,man könnte es aber sicher noch ein bisschen herunterhandeln.
In solchen Ländern nimmt man am besten das Angelzeugs mit,denn falls sie was haben,kann man es meist nicht gebrauchen! So ist immer ein Koffer voll mit Angelzeugs und die Badehosen packte ich in den Koffer meiner Frau;)
Gruess Jon

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Hi Jon,

das ist klar, war damals, als ich in Ex-Jugoslawien(Rovinj) war, auch nicht anders.

Allerdings fand ich es schon ein wenig krass, als man an der Plitvicer Seenplatte war und sah in der Nacht die Raketen- oder Granatenabschüsse oder -einschläge in der Ferne aufblitzen.

Das sind schon mal sehr genehme Preise, da kann man nicht Meckern.

Habe ich mir fast gedacht, wenn ich in den Urlaub fahre oder fliege, nehme ich auch lieber mein eigenes Tackle mit, wenn es möglich ist.

Danke für die Auskunft!

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden

Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  

×