Jump to content
Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
romawe

Noch eine Dose Maden bitte...

Empfohlene Beiträge

romawe    1
Der Gang zum Anglershop gehört genau so zu den Lieblingsbeschäftigungen wie die Angelei selbst.... Es ist jedesmal wie Weihnachten und man findet immer etwas, das man noch nicht hat, eigentlich gar nicht braucht, aber trotzdem unbedingt will...

Und zum Schluss an der Kasse heisst es meist noch "noch eine Dose Maden bitte..."

Ich hatte heute die Möglichkeit, in einer Madenfarm vorbei zu schauen...

Ich denke, dass sich niemand jemals so richtig Gedanken gemacht hat, wo diese Maden her kommen. Nun, seit heute weiss ich, woher Maden kommen. Leider durfte ich keine Bilder machen, aber ich versuche es so getreu wie möglich zu schildern...

Am Ort angekommen, stehen vor mir alte Gebäude, früher Schweineställe. Von aussen unscheinbar, einzig die vielen technischen Anlagen um das Gebäude lassen erahnen, dass hinter diesen alten Mauern keine Schweine mehr gehalten werden.
Am Eingang begrüsst mich Mr. X. Ein kleines Büro gleich beim Eingang zum Gebäude erinnert an ein bieder eingerichtetes Wohnzimmer... Es ist auch der Aufenthaltsraum der Nachtwächter, und deshalb fehlt weder Fernseher noch Kaffemaschine.

Das Gebäude ist lang, sehr lang... hundert Meter und dreissig breit...

Hinter einer weiteren Tür mag man ein leichtes Summen hören. Fast wie beim Imker im Bienenhaus. Doch als die Türe aufgeht, wird schnell klar, dass hier keine Bienen am Werk sind. Um die 200, mit feinem Gitter abgtrennte, 10m2 grosse "Volieren" reihen sich aneinander... Um Himmelswillen... es könnte das Szenario eines eiskalten Gruselschockers sein. Diffuses Licht und überall hunderttausende, ja Millionen von Fliegen, die sich über eine bräunliche Masse hermachen. In grossen Flachen Schalen wird ein trockener Brei angeboten, um die Fliegen zu füttern und vor allem um die begehrten Eier zu bekommen.

Eine angenehme Temperatur von 22°, im Sommer durch Aircondition und im Winter durch heizen geregelt, ergeben die optimale Legetemperatur. Nach ein paar Tagen, genaue Angaben kann ich nicht machen, da Firmengeheimnis, werden diese Schalen entnommen und in Inkubatoren schubladisiert. Dort entwickeln sich aus dem trockenen Brei die Maden. Genau berechnet, wieviel Feuchtigkeit im Brei drin sein muss, sind die Schalen nach weiteren 10 Tagen praktisch leergefressen und der Brei hat sich eine weisse, lebendige Masse von Maden verwandelt. Diese werden danach gesiebt und in Eimern in einem Kühlraum gelagert. Bei genau 1,5°... Dieser Kühlraum hat übrigens die Fläche von 450m2!!!

Zum Brei: Das Rezept ist natürlich geheim, doch handelt es sich vor allem aus einer Zutat: Huhn! Diese werden ohne Federn in einen Schredder verbracht und in kleine Stücke zerhackt... was sonst noch beigemischt wird... ???

Nachdem die Fliegen ihren Dienst getan haben und die Eier gelegt haben, werden diese ohne Wasser in der Voliere gelassen. Eine Fliege stirbt nach 48 Stunden ohne Wasseraufnahme. Somit sind diese Volieren nur aufzuwischen, zu definzieren und danach können erneut Kiloweise Caster in der Voliere ausgelegt werden. Fast auf die Stunde genau können die Firmenbesitzer den Schlupf der Fliegen festlegen und so zur richtigen Zeit erneut die Schalen mit dem Brei auslegen... ein Kreislauf, aus welchem ein Grossteil der Maden entnommen wird zum Verkauf.

Die Firma produziert monatlich 20 Tonnen Maden.... dazu werden monatlich 100 Tonnen Hühner verarbeitet!
Bei einem Gewicht eines Poulet von 1 Kg ergibt dies ein Verbrauch von 3300 Poulets täglich.... soviel verzehren die Maden jeden Tag...

Die Firma exportiert in verschieden EU-Länder...

Zu gerne hätte ich das Gesehene fotografiert, doch musste ich schon von einem grossen Bonus Gebrauch machen, um überhaupt in die heiligen Hallen zu kommen...

So, wenn ihr das nächste Mal eine Dose Maden bestellt, denkt an diese Zeilen.... es steckt oft viel mehr hinter etwas ganz Simplen als das man es sich vorstellen kann....

Zum Abschied hab ich noch einen Eimer bekommen. Als kleines Geschenk... 5 Kg Maden... :squint:

Hat jemand ein Rezept, in dem Maden vorkommen? Den soviel angeln gehen kann ich leider nicht.... ;(

Gruss aus Rumänien

Tinu

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Gast   
Gast
Tinu, das hätte ich mir auch gerne angeschaut, doch leider war ich nicht dabei .... aber Interessiert hätte es mich sehr!
Aber wie immer, wieder einmal ganz nett geschilderter Beitrag von Dir.
Also ein Rezept habe ich leider auch nicht für Dich! Außer eines aber das ist nicht für den Menschlichen verzehr geeignet.

Mische doch einfach ein Paar maden in Dein Futter mit rein.

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
romawe    1
........:D ich verkauf die Maden dem Chinesen.... !

Nein, natürlich nicht. Ist klar, dass diese Maden nicht den Hygiene Standard haben, um für den menschlichen Verzerr geeignet zu sein...

Natürlich mischen wir immer fleissig Maden in die Futtermasse... doch die nächsten Tage sind wir an einem ganz speziellen Karpfengewässer. 10 bis 15 Kilo Karpfen gehören dort zum täglichen Drill. Doch muss man aufpassen. Die Karpfen sind derart clever geworden durch die Angelei, dass man praktisch nur noch englisch angeln kann. Auf Grund mit Boilies ist dort fehl am Platz. Die kennen die Rig's und beissen kaum mehr an... von Ausnahmen abgesehen.

18'er Vorfach und 10'er Haken..... wenn nun zuviel Maden angefüttert werden, verwandelt sich der Grund alsbald in eine Brassenparty... und einen Karpfen zu haken wird zum Ding der Unmöglichkeit...

Wir füttern nur mit für Brassen nicht interessantem Futter an wie Mais, Körner, Boilie-Schrott.... und angeln mit Maden und rotem Mais am Haken...

Habe diese Woche bereits 2 mal dort geangelt und prächtige Spiegelkarpfen bis 16 Kilo fangen können....

Gratulation übrigens zu "deinem" Spiegeler.... es immer ein schönes Gefühl, ein solch gesundes Tier in den Händen zu halten, und noch schöner, es nachher wieder seinem Element zurück geben zu können....

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Forelle1958    418
Hallo Tinu
Wie schaffst du das bloss immer wieder uns mit Themen (nicht Hühnern) zu füttern, die wir mit purem Vergnügen verschlingen! Zum Glück sind wir keine Maden, sonst würden wir nach dem verschlingen deiner Berichte wohl auch am Haken landen;(
Ich hätte mir nicht einmal im Traum vorgestellt, dass Maden in diesen Dimensionen gezüchtet werden.
Danke für diesen wirklich sehr interessanten Beitrag..Martin

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen
Gast   
Gast
5 Kg Maden - kannst du zum anfüttern benutzen!

Übrigens: Maden lassen sich auch gut einfrieren, beim auftauen werden sie wieder lebendig o_O

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden

Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  

×